Dienstag, 10. Februar 2015

The Last One: Sehenwerte Serienfinals

(Enthält selbstredend massive Spoiler zu alle genannten Serien.)

Nachdem es zuletzt um verfrühte Enden und die damit meist verbundene Unzufriedenheit der Zuseher mit jenen ging, soll es heute um geplante Abschlüsse gehen. Dass es auch dabei nicht zwangsläufig zu puren Begeisterungsstürmen kommt, sei ebenfalls angemerkt. So gerieten die Finals von Dexter und LOST zu wahrgewordenen Albträumen von Serienfans. Und auch True Blood versank nicht gerade in Lob, als es letztes Jahr zu Ende ging. Über How I Met Your Mother möchte ich erst gar nicht reden...

Doch nun zu deutlich besseren Enden, manche Kult, manche gerade erst über den Bildschirm geflimmert.

Forever Charmed (Charmed)

Acht Staffeln gibt es von Chamed, der Serie über drei Hexenschwestern. Und besagtes Finale ist genaugenommen Anlauf Nummer zwei. Denn beim Finale der siebten Staffel sah alles nach einer baldigen Absetzung aus und so entschieden sich die Autoren für die sichere Lösung. Die drei Schwestern besiegten ihren Erzfeind und ließen alles danach aussehen, dass es sie selbst dabei erwischt hätte. Durch einen Zauber schienen sie nach Außen andere Menschen zu sein und konnten von nun an ein unbehelligtes Leben führen.

Doch dann kam es unvorhergesehen zu einer achten Staffel und es musste ein neues Ende her. Mag man sich über die Staffel trefflich streiten können, so ist eines klar: Die Doppelfolge zum Schluss stellte den ersten Finalversuch deutlich in den Schatten: Nachdem sowohl Billys Schwester als auch Paige und Phoebe im Ultimate Battle starben, bringt der Schicksalengel Leo zu Piper zurück. Zusammen mit ihm macht sich die am Boden zerstörte Piper auf, einen Weg zu finden, ihre Schwestern zu retten. Durch Cupids Ring gelingt es ihr dabei, in der Vergangenheit ihre Großmutter und Mutter (aus verschiedenen Vergangenheiten wohlgemerkt) aufzutreiben, um die Macht der Drei zu rekreieren und so Phoebe und Paige zu retten. Als alle in der Gegenwart angekommen sind um ans Werk zu gehen, platzen Pipers Söhne Wyatt und Chris magisch aus der Zukunft in die Szene. Familienzusammenführung etwas anderer Art nennt man das. Natürlich rettet Piper ihre Schwestern und sie erledigen nebenbei eine ganze Generation an Dämonen, sodass sie für die nächsten Jahre Ruhe haben.

In einer Überblende ergänzen sie das allwissende Buch der Schatten, das in jeder Folge Dreh- und Angelpunkt war, um ihre eigene Geschichte und so wird dem Zuschauer einiges aus den zukünftigen Leben der Halliwell-Schwestern gezeigt, inklusive Liebesglück für alle drei.



The Last One (Friends)

Sagenhafte zehn Staffeln lief Friends, prägte eine ganze Generation und gilt bis heute als Kult. Und so verwunderte es auch niemanden, als 2004 ganze 52 Millionen Zuschauer das Ende der Serie einschalteten. Die Abschlussstaffel bescherte den sechs Hauptdarstellern einen Rekord-Gage von 1 Millionen $ pro Folge und so schien es beinahe unmöglich, alle Erwartungen zu erfüllen. Und doch gelang den Machern um David Crane und Marta Kauffman quasi ein perfektes Finale abzuliefern.

Während Monica und Chandler schon lange ihr Liebesglück fanden und nun versuchten, eine Familie zu gründen und Phoebe just in der Abschlusstaffel ihren Mike heiratete, konzentirerte sich das Finale auf die Never-Ending-Lovestory um Rachel und Ross. Kaum zu glauben, aber die Rachel, die Anfang der Serie noch reich heiraten wollte und dann zunächst eine schlechte Kellnerin im Central Perk wurde, bekam einen Job in Paris angeboten und war drauf und dran, New York per Flugzeug zu verlassen. Getrieben von Phoebe versucht Ross nun, Rachel am Flughafen anzufangen und ihr seine Liebe zu gestehen. Als die beiden jedoch bemerken, dass sie am falschen Airport sind, scheint alles verloren. Zm Schluss ist es Rachel, die nach ein paar lustigen Turbulenzen rund um "the left Phalange" des Flugzeuges, doch den Flieger verließ und nun bei Ross zum Happy End bereitsteht.

Auch Monica und Chandler bekommen in Form von Zwillingen ein Happy End und nun steht der extrem kitschige Klischee-Moment des Licht-ausschaltens auf dem Programm - jedoch so emotional und perfekt umgesetzt, dass er keine Kritik zulässt. Das Appartment mit der lilafarbenen Wand und der grünen Tür, dass zehr Jahre lang Hauptschauplatz der Serie war und in dem quasi jeder (zumindest zeitweise) der sechs Freunde lebte, wird nun verlassen. Genau wie der Zuschauer die sechs Charaktere verlässt, die ihn in den letzten Jahren zum lauten Lachen und Weinen brachten.

Chuck Versus the Goodbye (Chuck)

Durchaus als Glück könnte man die Geschichte von Chuck betrachten. Und zwar vom Serienstart bis zum Finale. In der Streikseason gestartet, stand die Serie quasi jedes Jahr auf der Kippe. Doch mangels Alternativen und einer starken Fanbase (ich sage mal Subway-Aktion) kam es immer wieder zu einer Bestellung einer neuen Staffel. Trotz allen Glücks war die fünfte Staffel im Jahr 2012 dann die letzte. Doch zumindest war das von Anfang an klar und so konnten die Autoren von langer Hand ein rundes Ende planen.

Die letzte Staffel versetzt unsere Helden in ihr eigenes Sicherheitsunternehmen. Zum Ende hin spitzt sich die Lage extrem zu und Sarah wird gekidnapped. Da sie das Intersect zu dieser Zeit im Kopf trägt und nicht als Trägerperson geeignet ist, bietet sie eine gute Zielscheibe für ihren Peiniger. Dieser macht sich einige Erkenntnisse um die Beschleunigung der negativen Auswirkungen des Intersects in ungeeigneten Personen (siehe zuvor Morgans Verwandlung) zu Nutze und erwirkt so, dass Sarah ihre kompletten Erinnerungen der letzten Jahre mit Chuck und Casey verliert und fortan gegen jene kämpft.

Chuck gelingt es zwar, Sarah wieder auf ihre Seite zu ziehen, doch die Erinnerungen und damit ihre Liebe samt kürzlicher Hochzeit scheinen für immer verloren. Chucks Schwester Ellie und ihr Mann Devon (Captain Awesome) machen sich derweil mit ihrem Neugeboreren auf den Weg in ein neues Leben. Und während Morgan sein Glück mit Caseys Tochter Alex gefunden hat, kommt Chuck durch Morgan auf die Idee, Sarah an einem Ort mit immens großer Bedeutung zu suchen. Als sich Sarah intuitiv dort befindet, weil sie spürt, dass der Ort wichtig ist, fragt sie Chuck nach ihrer Geschichte. Eine Flut an Erinnerungen endet in Morgans Idee, dass ein Kuss alles ändern könne. Während Chuck scheinbar nicht daran glaubt, fällt Sarah ihm ins Wort: "Kiss me!" Zögerlich küsst Chuck Sarah, bis der Kuss inniger wird. Ende.

Ein wirklich offenes Ende, das mich trotzdem überzeugt hat, weil es sich traut kein Happy End vorauszusetzen und den Zuschauer trotzdem mit der Hoffnung zurücklässt, dass es nicht vorbei ist für Chuck und Sarah. Ob sich Sarah nun erinnert oder sich vielleicht erneut in Chuck verliebt, bleibt dabei unwichtig.

Everyone's Waiting (Six Feet Under)

Dieses Finale ist wohl das, mit dem sich (zumindest bei mir) jedes Finale messen muss. Die intensive HBO-Serie rund um eine Familie, die ein Bestattungsinstitut betreibt, hatte oft mitreißende, schockierende oder witzige Momente. Und spätestens als in der vorletzten Folge der älteste der Geschwister Nate stirbt und sein Name und seine Lebenszeit so typisch für die Serie eingeblendet wird, wird einem langsam klar, dass das hier alles gut durchdacht ist.

Wie in so vielen Serien kamen die Charaktere problembeladen und verkorkst in das Leben der Zuschauer. Und trotz aller überstandenen Konflikte und bewältigten Probleme, lassen uns die Macher mit dem Gefühl zurück, dass sie trotzdem alle noch genug mit sich rumtragen: Mutter Ruth ist einem psychisch kranken Mann verheiratet, alle Müssen mit Nates Tod zurechtkommen und Claire bricht zwar in ein neues Leben auf, doch auch sie nimmt noch genug Drama mit.

Und so beginnt das Ende mit Claries Versuch ein letztes Erinnerungsphoto ihrer Familie zu schießen, bevor sie losfährt: Von ihrer Mutter und deren neuem Mann, von ihrem Bruder David, endlich mit seinem Partner Keith vereint, und deren Adoptivkindern. Ihr verstorbener Bruder begleitet Claire dabei, sagt ihr den wunderschönen Satz "You can't take a picture of this moment, 'cause it's already gone." Und nachdem auch Nate nicht mehr in ihrem Innenspiegel erscheint, beginnt Claires Reise. Und so wie sie in ihr neues Leben fährt, erleben wir als Zuschauer wichtige Punkte in aller Leben, die noch vor ihnen liegen. Und zwar bis hin zu ihrem Tod. Jeder bekommt eine Szene, in der er oder sie stirbt, jeder bekommt den Bildschirm mit seinem Namen und der Lebeszeit. Bis schließlich auch Claire im Kreise ihrer Familie die trüben Augen für immer schließt. Und das alles traumhaft schön unterlegt von Sia mit "Breathe Me". Gänsehaut pur:



May God Bless and Keep You Always (Parenthood)

Ähnlich durchgemogelt wie Chuck hat sich auch Parenthood auf NBC und brachte es so auf sechs Staffeln. Erst kürzlich endete die Serie mit einem schönen, bewegenden Finale. Abschließend und offen zugleich, genau wie es sich für eine Familienserie gehört. Nicht weniger war von Jason Katims zu erwarten, schließlich hat er Erfahrung auf dem Gebiet. Seine vorhergehende, ebenso hervorragende Serie Friday Night Lights ließ sich dahingehend auch nicht lumpen.

Nach unzähligen Dramen in der Familie Braverman versammlen sich alle für Sarahs Hochzeit mit Hank. Emotional in mehrerlei Hinsicht, denn auch Sarahs Tochter Amber begrüßt ein neues Familienmitglied: Ihren Sohn, den sie nach ihrem Opa Zeek benennt. Julia und Sam bekommen das Angebot, Victors gerade geborene Halbschwester zu adoptieren und Crosby eröffnet Amber, dass er mit ihr ohne Adam das Luncheonette weiterführen will. Und Adam wird von seiner Frau Kristina zum Schulleiter der selbst gegründeten Schule ernannt, nachdem sie ein anderweitiges Angebot bekommen hat. Und Max, der mit seiner Asperger-Erkrankung stets eines der Zentren der Serie war, tanzt zum ersten Mal mit einem Mädchen, sodass seine Eltern Adam und Kristina voller Hoffnungen für sein zukünftiges Leben sind.

Kurz darauf erleben wir Camille, wie sie ihren Ehemann Zeek, der in der gesamten Staffel mit Herzproblemen zu kämpfen hatte, tot im Sessel findet. Doch so traurig dieser Moment ist, so überschattet er keineswegs die positive Grundstimmung des Finales. Laut Zeeks Wunsch verstreut seine Familie seine Asche auf einem Baseballfeld und spielt dann gemeinsam ein Partie. Dabei werden Szenen aus der Zunkunft der Charaktere gezeigt und die Familie verlässt nach dem Spiel das Feld - und unseren Bildschirm.



Bon Voyage (Gilmore Girls)

Schnelle Dialoge, eine verschrobene (fiktive) Kleinstadt namens Stars Hollow und allerhand Liebesdrama der Mutter-Tochter-Konstellation aus Lorelei und Rory. Sieben Staffeln erreichte diese Serie und ist noch heute ganz weit vorn bei den Lieblingsserien ihrer Fans. Zunächsteinmal muss gesagt werden, dass dieses Finale zunächst nur als Staffelfinale gedacht war, da nocht nicht feststand, ob das neu firmierte Network The CW die Serie für eine achte Staffel verlängern würde. Da es dazu eben nicht kam, fungiert der Staffelsbschluss auch als Serienabschluss und macht unter diesem Aspekt einen guten Job. Auch wenn die Dauerfrage, ob nun Dean, Jess oder Logan der Richtige für Rory ist, nie geklärt wurde.

Die Serie endet mit Rorys College-Abschluss. Rund um das Ausräumen ihres (und Paris') Appartment, lehnt Rory den Heiratsantrag ihres Dauerfreundes Logan ab, der daraufhin Rory höchst theatralisch erklärt, dass sie entweder diesen nächsten Schritt zusammen gehen oder sich trennen, denn auf der Stelle treten wolle er nicht. Rory lässt sich nicht bedrängen und verlässt Logan. Ihre Heimatstadt plant derweil eine Fete zu Ehren Rorys, gleichermaßen für deren College-Abschluss als auch zur Verabschiedung. Denn unsere hochintelligente Rory hat eine Stelle ergattert, bei der sie Barak Obama auf dessen Wahlkampftour journalistisch begleitet.

Mutter Lorelei verständigt sich derweil mit ihrer eigenen Mutter Emily, die früher so verhassen (weil aufgezwungen) Freitagsdinner fortzuführen. Und auch ihre Dauer-On-Off-Beziehung mit Luke bekommt neuen Spin, als die beiden sich unvermittelt küssen. Und auch hier verlassen wir die Serie mit einem Licht-aus-Tür-zu-Moment, der auch hier nicht klischeehaft oder kitschig wirkt, sondern einfach nur passend.

The Finale (Will & Grace)

Mutig. So würde ich das Ende von Will & Grace nennen. Denn statt ein versöhnliches Finale zu zeigen, in dem sich alle in den Armen liegen, spinnen die Autoren das weiter, was sich schon in den Folgen zuvor andeutete: Die Entfremdung der einst besten Freunde. Denn mit dem Auftauchen von Vince ändern sich für Will die Prioritäten. Grace ist zudem schwanger und der (unwissende) Vater des Kindes Leo bekommt ein Jobangebot in Rom. Grace entscheidet sich, nicht mitzugehen und gemeinsam mit Will das Kind großzuziehen. Doch Leo kommt zurück, erfährt von dem Kind und versöhnt sich mit Grace - sehr zu Wills Missfallen.

Zwei Jahre gehen ins Land, es ist Wills Geburtstag. Jack und Karen überlegen sich einen Trick um die beiden wieder zusammen zu bringen. Doch was scheinbar funktioniert hat, entpuppt sich als Trugschluss. Jack muss derweil ein nötiges Übel in Kauf nehmen, um sich bei Karen für ihre jahrelange Unterstützung zu revanchieren, nachdem diese ihr Vermögen verliert. Doch Jacks Problem wird bald vom Winde verweht.

Vor einer Tür in einem College-Wohnheim treffen sich eine junge, rothaarige Frau und ein schwarzhaariger Mann. Was zunächst nach einer Rückblende zu Will & Graces Kennenlernen aussieht, entpuppt sich als Schicksal: Es sind ihre Kinder Lila und Ben, die sich spontan zum Kaffee verabreden. Danach kommt es erneut zu einem Zusammentreffen von Will und Grace. Später sehen wir, wie die beiden sich über die Hochzeit ihrer Kinder unterhalten und beschließen, sich auf einen Drink zu treffen - und zwar auch mit Jack und der ungealterten Karen. Die vier Freunde trinken auf die Familie und wir sagen auf Wiedersehen.

Und wenn sie nicht gestorben sind...

Es muss nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein. Auch die Finals von Will & Grace sowie Chuck sind gute Finals. Solange das Ende der Serie ihren vorherigen Geschichten gerecht wird und den Erwartungen der Fans einigermaßen Stand hält, so darf man von Erfolg sprechen. Dass nicht jede Serie ein Kult-Finale vom Schlage Friends oder Six Feet Under abliefert sei auch als gegeben zu sehen. Und so zeigt sich umso mehr, wie sehr das Finale einer Serie retrospektiv wirken kann: Als Ansporn für einen späteren Rerun oder eben auch als Spielverderber auf alle Zeit. Und so schwingt (gerade bei älteren Serien) immer mehr die Frage mit: Wie wird sie enden, meine Lieblingsserie? Werden es Grey's Anatomy und The Good Wife oder auch Modern Family und The Big Bang Theory schaffen, ihre Fans bei ihrem letzten Ausflug auf die Mattscheibe zufrieden zurück zu lassen? Ich will es doch hoffen!

Sonntag, 25. Januar 2015

Please Don't Leave Me - Serien, die zu früh abgesetzt wurden

Über die Laufzeit einer Serie gibt es verschiedene Auffassungen. Die einen möchten, dass ihre Lieblingsserie quasi ewig weiterläuft, andere sagen, dass jede Serie ihre Zeit hat und früher oder später zu einem Ende kommen sollte. Das gilt für Drama- genauso wie für Comedyserien. Sicher, die Procedurals dieser Erde haben eine längere Halbwertszeit, aber auch da ist irgendwann die Luft raus. In die Länge ziehen funktioniert nicht immer, One Tree Hill und How I Met Your Mother (beide 9 Staffeln lang, How I Met Your Mother - Ein Nachruf.) zeigen das. Hin und wieder finden sich aber auch Beispiele, wo das funktioniert: Grey's Anatomy (momentan 11. Staffel) oder auch Supernatural (10. Staffel aktuell).

Und dann gibt es diese Serien, die nach viel zu kurzer Zeit abgesetzt werden. Durch wiedrige Umstände oder einfach nur schlechte Quoten und meistens mit einem schlechten, weil offenen Ende. Oder noch schlimmer: Einem Cliffhanger. Denn oftmals wird die Entscheidung, eine Serie zu verlängern oder abzusetzen, erst zu den Upfronts im Mai getroffen, also zu einer Zeit, in der die Staffelfinals schon abgedreht oder sogar schon gesendet wurden.

Ich habe ein paar Beispiele aufgetrieben, die mich besonders betroffen haben. Zumindest eine Story hat ihr Happy End bekommen (und es ist nicht Happy Endings...).

Pushing Daisies (2 Staffeln, 22 Episoden)

Bunt und unkonventionell kam die Story um Kuchenbäcker Ned (Lee Pace, Guardians of the Galaxy, The Hobbit) mit der besonderen Gabe des Wiederbelebens daher. Alles beginnt, als er die Leiche seiner Jugendliebe Chuck (Anna Friel) findet und diese durch eine Berührung wiederbelebt. Die ganze Sache hat genau zwei Haken: Berührt Ned die gerade wieder zum Leben erweckte Person nicht innerhalb einer Minute ein zweites Mal, was dann wiederum das sofortige und dauerhafte Ableben jener zur Folge hat, so stirbt jemand anderes. Und der zweite Haken ergibt sich daraus: Denn, auch wenn bereits jemand den Platzhaltertod höchst unfreiwillig auf sich genommen hat, so darf Ned die wiederbelebte Person trotzdem niemals berühren. Das macht die wiederaufkeimende Romanze zur wiederbelebten Chuck nicht leichter.

Damit es nicht langweilig wird, begleiten wir Ned und seinen Privatdetektiv-Kumpanen Emerson Cod (Chi McBride) auf der Suche nach Mördern - leichtes Spiel, wenn man das Opfer selbst nach seinem Peiniger fragen kann, möchte man meinen. Doch die Fälle sind oft vertrackter als gedacht, immer kurzweilig, manchmal sogar gefährlich.

Zugegeben, die Ausgangssituation limitiert die Serie auf Dauer schon. So ist es anfangs noch niedlich, wenn Chuck und Ned neue Wege finden, sich nahe zu kommen, ohne sich zu berühren, mit der Zeit wird es jedoch anstrengend, da die Beziehung der beiden stagniert. Trotzdem hätte ich gern mehr als nur 22 Folgen dieser grandiosen Serie gesehen. Doch der Streik der amerikanischen Autorengewerkschaft machte die erste Staffel nach neun Folgen mundtot, die Wiederbelebung für Staffel 2 dauerte zwar länger als eine Minute, mehr als 13 Episoden wurden es aber leider auch nicht. Dann berührte ABC die Serie ein zweites Mal und sie war für immer tot, mit einem ziemlich zurechtgeschusterten, halboffenen Ende.



Happy Endings (3 Staffeln, 57 Episoden)

Zugegeben, die Prämisse der Serie klingt wie ein Abklatsch aller bisherigen Freunde-Comedies. Ein Ehepaar, ein Geschwisterpaar, ein "Nichtsnutz" und eine geplatze Hochzeit als Einstieg. Willkommen bei How We Met Our Friends.

Doch was dann geschieht, ist für mich heute noch unbegreiflich: Die Serie macht aus den alten Rollenbildern, wiederaufgewärmten Klischees und unsäglichen Verstrickungen einfach das meiner Meinung nach witzigste, was ich seit Langem gesehen habe. Pop-kulturelle Anspielungen, schnelle Wortwechsel, Wortspiele und Klamauk vermischen sich zu einem grandiosen Sketchfeuerwerk. (Ich kann das sagen, ich lache auch beim 8. Durchlauf immer wieder laut los!) Im Cast einen Liebling auszumachen ist schwer, jeder Darsteller überzeugt voll und ganz. Timing und Können sind grandios.

Das sahen zwar auch die Verantwortlichen beim Sender ABC so (sonst wäre wohl schon nach der ersten Staffel Schluss gewesen), aber leider die amerikanischen Zuschauer nicht. Und so wurde die Serie unter einer Kampagne #SaveHappyEndings zwar noch versucht an einen anderen Sender weiterzuverkaufen, letztlich jedoch trotzdem beerdigt. Das einzig Positive: Zumindest darf das Ende als einigermaßen "rund" bezeichnet werden, der Kreis zum Beginn der Serie ist irgendwie geschlossen. Doch so recht verwinden kann ich (und neben mir noch viele andere) das Aus der Serie bis heute nicht.



Veronica Mars (3 Staffeln, 64 Episoden)

Als diese Serie 2004 beim kleinen Network UPN startete, wusste noch keiner, dass sie einmal zur Ikone wird. Zum einen zur Ikone einer Generation von Tennie-Serien, die versuchen anders zu sein als bisher, zum anderen zu einer Ikone des modernen Crowd-Fundings. Doch dazu gleich mehr.

Rob Thomas zeichnet uns in seiner Serie, recht untypisch für ihr Genre, eine dunkle Welt. ("Teen-Noir" heißt das dann im Serien-Jargon) Eine mit reichen, verwöhnten 09ern (an deren Postleitzahl orientiert) und all den anderen, "niederen" Menschen im Rest der fiktiven Stadt Neptune. Veronica (Kristin Bell) hat eine bewegte Vergangenheit, war trotz ihrer Herkunft aus dem "Rest" Teil der Clique der 09ers. Bis ihre beste Freundin (Amanda Seyfried) ermordet wird und Veronicas Vater (Enrico Colantoni), zu dieser Zeit Sheriff der Stadt, gegen deren Vater ermittelt. Veronica wird verstoßen, zur Außenseiterin. Als wir in ihr Leben kommen, baut sie sich gerade ein neues Leben an der Highschool auf, wird noch immer von allen verhöhnt - und hat begonnen, selbst den noch immer ungeklärten Tod ihrer besten Freundin aufzuklären. Ihr Vater ist inzwischen Privatdetektiv, von ihm lernt sie auch die besten Tricks. Die Serie lebt von einer kessen Veronica, die schlau ist und zielstrebig, trotzdem manchmal falsche Entscheidungen trifft und unsicher ist.

Überhaupt sind die Charaktere zumeist recht vielschichtig, auch die Fälle, die Veronica für ihre Mitschüler löst, entpuppen sich oft als mehr als sie zunächst scheinen. Und so ist es die unglaublich gute erste Staffel, die extrem hohe Erwartungen setzt. Die zweite Staffel hält da qualitativ noch mit, wenn die Quoten auch fallen. Um dem entgegen zu wirken, wird in der dritten Staffel (die nun am College spielt) kein staffelübergreifender Fall behandelt, sondern kleinere Stücke abgearbeitet. Ein Schachzug, der immer logisch klingt, jedoch nur selten den gewünschten Effekt hat. Und so geht Voronica am Ende des dritten Staffelfinals The Bitch Is Back durch den Regen, dem offenen Ende der Serie entgegen.



Über Jahre hinweg sind Fans verärgert, fordern irgendeine Art Aufklärung. Verhandlungen für einen Film scheitern, zu gering scheinen die Erfolgsaussichten. Im Jahr 2013 fassen sich Schöpfer Rob Thomas und seine Darsteller ein Herz und starten ein Crowdfunding-Projekt. Sie wollen in einem Monat 2 Million Dollar sammeln. Die sind innerhalb von 10 Stunden beisammen, am Ende werden es  knapp 6 Millionen. Und das Projekt wird das mit den meisten Unterstützern seit Gründung von Kickstarter. Der Film startete 2014 in den Kinos und die Fans sind hoch zufrieden. Happy Ending.

Smash (2 Staffeln, 32 Episoden)

Nachdem Glee unglaublich erfolgreich startete, prüften alle Sender eigene Musical-Projekte. NBC nahm es wortwörtlich und ließ die Serie Smash vom Stapel. Diese dreht sich um die Inszenierung eines Musicals über Marilyn Monroe - und zwar von der Idee bis (zumindest theoretisch, denn dazu kam es ja nie) zum fertigen Produkt. Mit allen Wiedrigkeiten wie Besetzung, Musikauswahl und Liebesquerelen ausgestattet, erbot sich ein recht stimmiges Bild einer - zugegebenermaßen - leicht soapigen Serie, die aber vor allem auch durch die Musik überzeugen konnte.



Auch der Cast konnte überzeugen. So mimte Jack Davenport (Fluch der Karibik) den Regisseur Derek, der eine harte Schale hatte und meist ziemlich ungenießbar war, auf den man aber auch zählen konnte, wenn es darauf ankam. Sehr zu meiner Freude war auch Will & Grace-Alumna Debra Messing mit von der Partie, die Julia spielte, die neben der Story fürs Musical auch einen Großteil des privaten Dramas beisteuerte.

Und ja, es ging auch einiges daneben. Das Liebeshin und -her war recht anstrengend und die immer neuen Steine, die dem Musical in den Weg geworfen wurden, waren nicht immer ein Grund weiterzuschauen. Für mich war die Serie jedoch immer eine Quelle guter Laune, denn die Musicalnummern wurden jederzeit top umgesetzt. Zum Schluss blieb NBC aufgrund desaströser Quoten nichts anderes übrig als den Stecker zu ziehen. Zumindest ließ man dies die Macher recht zeitnah wissen und so konnte ein vertretbares Ende stattfinden. Und das wurde, Sendeplatz hin oder her, auch ausgestrahlt und versauert nicht in irgendeinem Archiv.

United States of Tara (3 Staffeln, 36 Episoden)

Als einzige Nicht-Networkserie schafft es United States of Tara in diese Riege. Denn normalerweise entscheiden sich die Pay-TV Sender schon recht früh bei der Sichtung neuen Materials ganz am Anfang des Produktionszyklus, ob die Serie weiterhin auf Sendung bleibt. Denn viel wichtiger als Einschaltquoten sind für HBO und Co. der sogenannte BUZZ, den eine Serie kreiert und damit die Scheinwerfer auf den austrahlenden Sender wirft und damit eventuell neue Abonnementen generiert.

Und genau das scheint die Serie um Familie Gregson nicht geschafft zu haben. Toni Collette (About a Boy) spielt darin die Titelrolle Tara, die an multiplen Persönlichkeiten leidet. Sie hat einen Mann (John Corbett, Sex and the City) und zwei Kinder. Diese kommen soweit ganz gut mit der Situation klar, kennen die Alter-Egos ihrer Mutter inzwischen und können mit ihnen umgehen. Auch wenn das aufgrund der Bandbreite natürlich nicht immer einfach ist. Denn neben Tara gibt es da noch T, das 16jährige Girlie, Alice, eine Hausfrau aus den 50ern und Buck, einen sexistischer Bauarbeiter-Typ.

Mit Verlauf der Serie versucht die Serie Taras Störung zu ergründen. Allerdings ergeben sich bald neue Persönlichkeiten, darunter ironischerweise die Therapeuting Shoshanna. Nach dem Ende der dritten Staffel, ohne dass auch nur ansatzweise geklärt wurde, wie es mit Tara und den anderen Familienmitgliedern, respektive Alter-Egos, weitergeht, wird die Serie für beendet erklärt. Schade, denn auch wenn die Qualität der Serie durchaus nachlies, so hätte man durchaus eine abschließende, eventuell verkürzte Staffel in Auftrag geben können. So wurde es mit The Big C schließlich auch gehandhabt und ist für einen Pay-TV-Kanal eigentlich kein Problem.

Was will uns der Autor damit sagen?

Das ist eine gute Frage. Zum Einen sollte man seine Lieblingsserie genießen. Das Ende kommt leider schneller als man denkt, egal wie gut oder schlecht sie ist. Zum Anderen ist natürlich auffällig, dass viele (Viele? Fast alle!) dieser Beispiele aus dem werbefinanzierten Network-TV stammen. Dort ist es selten möglich, vor den Werbepartnern zu rechtfertigen, dass man aus kreativer Sicht eigentlich noch eine Staffel machen müsse. Gegenbeispiele gibt es trotzdem: Der Spionagedramedy Chuck wurde eine Abschlussstaffel gewährt, ebenso der Sci-Fi-Mystery-Serie Fringe. 30 Rock durfte sich verkürzt verabschieden und das eingangs erwähnte One Tree Hill erhielt auch eine 13teilige Abschlussstaffel. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, sich hin und wieder etwas eher zu entscheiden, welche Serie eventuell die nächste Season nicht mehr erlebt und dies den Verantwortlichen mitzuteilen, sodass diese zumindest für ein paar bessere Staffelfinals sorgen könnten - schließlich könnte es das Serienfinale sein.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Intromania

Es ist selten geworden, dass eine neue Serie eine richtiges Intro bekommt. Die typischen, verkürzten Popsongs sind Logo-Screens gewichen, die nur noch den Namen der Serie und des Schöpfers einblenden. Und auch wenn die Premium-Cable Sender noch Vorspanne haben, so sind diese meistens relativ lahm, weil nur Musikgedudel.

Ich möchte diesmal gar nicht so viel Text schreiben, sondern lasse einfach mal ein paar Intros auf euch wirken - vielleicht habt ihr dann auch den starken Wunsch, dass es wieder mehr davon gibt. Ich habe mal ein paar meiner Lieblingsserien nach Intros abgesucht, hier das Ergebnis:

Verkürzter Song

Veronica Mars (Dandy Warhols - We Used to Be Friends)
Treffender kann ein Titel nicht sein um die Gesamtsituation zu beschreiben. Ab der dritten Staffel in abgewandelter Version, sollte etwas erwachsener wirken. Ich mag das Original:


One Tree Hill (Gavin DeGraw - I Don't Want to Be)
Gavin DeGraw durfte sogar in einer Folge der Serie höchstpersönlich den Song performen. Inhaltlich top gewählt, verstärkt er vor allem die Verbundenheit der Serie zu Musik. Leider verschwand das Intro ab der 5. Staffel und wurde sehr zu meinem Unbehagen in der 9. Staffel in jeder Folge auf neue Weise verhunzt.



The O.C. (Phantom Planet - California)
Orange County ist DAS Surfer-Paradies und dies wurde auch zur genüge getan in der Serie. Dazu der Surfer-Song, der nicht nur passt, sondern auch ein internationaler Charterfolg wurde durch die Serie.



Dawson's Creek (Paula Cole - I Don't Want to Wait)
Vielleicht nicht auf den ersten Blick das passendste, was eine Teenager-Serie einleitet, jedoch bei näherem Kennenlernen der Serie genau das richtige für die Philosophischen Jugendlichen von Capeside.



Parenthood (Bob Dylan - Forever Young)
Ein Beispiel aus der näheren Vergangenheit, zumindest ist die Serie noch auf Sendung. Weise Worte leiten die Familienserie ein und geben ihr eine gute Grundstimmung.



Gilmore Girls (Carole King & Louise Goffin - Where You Lead)
Kein zweiter Song könnte die Mutter-Tochter-Beziehung und das verschlafene Stars Hollow besser beschreiben. Obwohl es ganz schön im Gegensatz zu den oft rasend schnellen Dialogen steht...



Suits (Ima Robot - Greenback Boogie)
Vielleicht soll es für den Pulsschlag im Leben eines Top-Anwalts in New York stehen, ins Ohr geht es allemal.



Charmed (Love Spit Love - How Soon Is Now)
Ein Klassiker und irgendwie mein All-Time-Favorit. Obwohl es im Song natürlich nicht um Hexen geht, kommt die mysteriöse Grundstimmung durchaus zum Tragen. (Und ja, das ist Kaley Cuoco-Sweeting im Video)




Friends (The Rembrandts - I'll Be There for You)
Diesen Song stimmt man an und jeder singt mit. Text und Titel passen perfekt zur Serie und dem Genre der Comedy.



Instrumental

Sex and the City
Kult.


30 Rock
Im Stile ähnlich dem von Sex and the City. Liegt vielleicht am selben Spielort.


Game of Thrones


Unzählige Male prämiert und nicht nur akustisch eine Meisterleistung. Wem die letzten Takte schnell aus dem Ohr gehen, der macht was falsch. DAM-DAM-DE-DE-DAM-DAM.


Mad Men
Sogar eine Simpsons-Version existiert. Die Serie schaue ich zwar nicht, aber der Vorspann ist trotzdem toll.


Chuck
Witzig und durchaus dem Ton der Serie angepasst.


The Simpsons
Der Klassiker zum Abschluss. Kennt jeder, liebt jeder.

Ich vermisse sie wirklich. Früher als man schon beim ersten Ton des Intros in Stimmung war. Es ist schade, dass es nur noch so wenige von ihnen gibt, zumal der Identifikationsgrad mit einer Serie so viel höher ist. Vielleicht gibt es irgendwann eine Rückbesinnung, bis dahin müssen wir uns mit den Classics zufrieden geben.

Freitag, 2. Januar 2015

Gays of Our Shows - Part 2



Da sind wir, zum zweiten Teil von Gays of Our Shows. Ich habe beschlossen, dies regelmäßig aufzugreifen um die neusten Entwicklungen zu kommentieren. War die erste Ausgabe noch ein grober Überblick über die quasi herausragendsten Serien mit vor allem schwulen Charakteren, so wird es demnächst etwas spezieller. Die aktuellen Beispiele sollen nicht ausschließen, dass ich mich irgendwann einmal auch einem meiner persönlichen Highlights widme, aber in der Regel soll es im Hier und Jetzt bleiben.

Schauen wir also einmal, was momentan gerade so im Fernsehen läuft. Neben Looking (das übrigens am 11.01.2015 mit seiner 2. Staffel zurückkehrt und von mir schon ausreichend oft positiv erwähnt wurde), sticht vor allem eine Serie besonders hervor: How to Get Away with Murder. Und diese hat sogar durchschlagenden Erfolg. Auch am 11. Januar kommt Shamesless zurück, das uns in der mittlerweile fünften Staffel unter anderem weiter Ian's Geschichte erzählen wird.

How to Get Away with Murder - "He Did Things to my Ass That Made my Eyes Water."

How to Get Away with Murder ist zweifelsohne DER Hit der Season 2014/2015. Während die Serie mit Oscarnominee Viola Davis (The Help) auch ansonsten grandios ist, macht sie vor allem mit der Storyline um Connor Walsh Schlagzeilen. Schon von Anfang an wird dieser offen als homosexuell dargestellt. Wenn er auch teilweise skrupellos handelt und seine Sexualität vor allem auszunutzen weiß, so schafft es Connor trotzdem als einer der ersten Charaktere, dass man ihn zu mögen beginnt. Bereits im Piloten wird ihm als Love Interest der nerdige Oliver zur Seite gestellt und es beginnt eine kleine Romanze. Doch auch wenn diese Story sich durch die Folgen zieht, sind es doch andere Szenen, die zeigen, wie weit wir (respektive das US-amerikanische Network-TV) gekommen sind.

Eine besonders explizite Sexszene erregte Aufmerksamkeit auf Twitter, da eine Zuschauerin diese als "too much" kritisierte. Shonda Rimes (Executive Producer der Serie; Grey's Anatomy, Private Practice, Scandal) kommentierte diese Kritik im Sinne der gesamten LGBT-Community und erntete Zuspruch. Der Schöpfer der Serie selbst, Peter Nowalk, beschrieb die Möglichkeit, solche Szenen zu schreiben so:

"I knew I wanted to push the envelope, especially with the gay sex. And to me, writing the gay characterization and writing some real gay sex into a network show is to right the wrong of all of the straight sex that you see on TV. Because I didn't see that growing up, and I feel like the more people get used to two men kissing, the less weird it will be for people. I just feel like it's a lack of vision that you don't see it on TV, but ABC has never had a note about any of the weird stuff in the show, so I'm gonna keep it going." - Peter Nowalk

Als die anderen Charaktere erfahren, dass Connor schwul ist, ist die einzige Reaktion "He is gay?" und damit war es das. Auch der austrahlende Sender ABC scheint keinerlei Probleme mit dieser Darstellung zu haben. Ein durch und durch positiver Beitrag zur Normalisierung des Umgangs mit Homosexualität. Gute Serie, ein schwuler Charakter, der so zwiespältig und gebeutelt wie jeder andere der Serie ist und ein Sender, der den kreativen Spielräume gewährt, die das Publikum belohnt. Bravo!

Shameless (US) - "Mickey, have seat man! Nobody gives a shit who you bang."

Anders beschreibt wohl recht gut, wie Shameless das Thema Schwulsein angeht. In einem sozialen Umfeld, in dem es sicher nicht ganz einfach ist, sich zu outen, erkennt Ian's Bruder zu Anfang der Serie, dass sein kleiner Bruder schwul ist und eine Affäre mit seinem deutlich älteren, verheirateten Chef hat. Nach kurzem Schock, kommt er jedoch zur Bessinung und akzeptiert seinen Bruder wie er ist. Auch der Rest der Familie, allen voran Ian's miserabler Vater zeigen sich verständnisvoll und geben ihm Rückhalt. Nur nach außen hin verstellt sich Ian, legt sich sogar eine Alibi-Freundin, Mandy, zu. Die weiß zwar von Anfang an bescheid, sagt aber selber wie wichtig dieser Fakt ist, um nicht von allen im Viertel verprügelt zu werden.

Mandy's gewaltätiger, kleinkrimineller Bruder Mickey gerät mit Ian's Chef/Lover aneinander und Ian beschließt, das selbst zu klären - und wird überraschend von Mickey vernascht. Danach macht Mickey jedoch äußerst deutlich, dass alles geheim bleiben müsse und auch sonst verhält er sich abweisend Ian gegenüber ("Kiss me and I'll cut your fucking tongue out!"), um sich selbst nicht einzugestehen, wirklich schwul zu sein. Trotzdem führen die beiden ihre Schäferstündchen fort. Sehr zur Überraschung der Zuschauer ist dabei der knallharte Mickey der passive Part, ein gekonnter Schachzug der Autoren um zu zeigen, dass die sexuelle Vorliebe - und da eben auch die Seite auf der man steht - nicht mit dem Charakter zu tun haben.

Natürlich darf die Entwiclung nicht fehlen, Ian ist immer der antreibende Part, da er sich mehr wünscht als nur einen schnellen Fick. Er erkennt auch bald, dass er Mickey liebt und ist umso enttäuschter, dass dieser ihm das nicht zurückgeben kann. Mickey ringt sich mehr und mehr durch, seine Schwäche für den Rotschopf Ian zu zeigen. Er ist eifersüchtig auf einen von dessen Affären, küsst ihn an ungewohnter Stelle oder sagt ihm, wenn auch höchst uncharmant, dass er gern mit ihm zusammen ist.

Einen herben Rückschlag erhält die Beziehung der beiden, als Mickeys Vater sie erwischt, zusammenschlägt und für Mickey eine Hure bestellt. "To fuck the gay out of him", wie er so schön sagt. Ian verlässt nach einem letzten Schäferstündchen mit Mickey (der jene Hure dann heiratet, da sie schwanger von ihm ist) die Stadt. In einer sehr emotionalen Szene wird Mickeys innere Zerissenheit deutlich, er kann sich jedoch nicht durchringen Ian das zu sagen, was er will, sondern ergibt sich dem Druck seines Vaters und lässt Ian gehen. Eine ganze Staffel später hat sich das Blatt gewendet. Ian ist zurück und wieder unzufrieden mit dem Status der Beziehung. Zwar wohnt Mickey quasi bei ihm und Mandy bezeichnet es schon ironisch als "playing house", doch ein Versteckspiel ist es immer noch. Und so wird die Feier zu ehren der Rückkehr von Mickeys Vater und der Taufe von Mickeys Sohn zur Coming-Out-Party. "I just wanted everyone to know that I'm fucking gay!" schreit Mickey durch die Bar. Und bis auf seinen Vater (der mal wieder ausrastet, Mickey zusammenschlägt und danach direkt ins Gefängnis zurück wandert) scheint sich keiner für diese Neuigkeiten zu interessieren. Diese Feststellung darf er auch tagsdarauf wieder machen (ab 1:14):





Madam Secretary - Weder Fisch noch Fleisch

Recht verheißungsvoll gestartet, dümpelte diese Serie etwas vor sich hin und beginnt, etwas Fahrt aufzunehmen, auch in Bezug auf die persönlichen Beziehungen der Charaktere. Meine Hoffnung, Blake (der Assistent der Außenministerin) würde sich als schwul erweisen, wurde insoweit bestätigt. Die Verfahrensweise der Macher verleitet allerdings dazu zu sagen, dass man sich nicht traut, dies auch auszusprechen. Und so verläuft seine sonst recht gute Charakterisierung etwas im Sand, was in der Serie nichts besonderes ist, ist sie doch sehr zentriert auf die Madam Secretary (im Gegegensatz zu The Good Wife, das sich nicht nur um ihre namensgebende Person dreht).

In der zuletzt ausgestrahlten Folge ließ man einen Baseball-Star das Outing im Heimatland Venezuela vollführen und stellte die USA als tolerantes, offenes Land dar. Irgendwie widersprüchlich, wenn man es nicht einmal schafft, dem einzigen schwulen Charakter eben diese Offenheit zu gönnen. Einzig positiv ist es, dass man zumindest keine schlechten Klischees aufwärmt um dem Unausgesprochenen Wirkung zu verleihen.

Comedies - Klischee olé, oder?

Ein Neustart, ein Veteran und eine MTV-Produktion zeigen höchst unterschiedlich, wo Homosexualität in der heutigen Comedy steht. Wie bereits im ersten Blog-Eintrag zu diesem Thema angedeutet, läuft man besonders in diesem Genre Gefahr in alte Klischees abzudriften, weil eben der beste Lacher-Generator das Klischee ist. Und ja, bis zu einem gewissen Punkt kann auch ich darüber lachen.

Bei The McCarthys allerdings ist es quasi erdrückend und unnütz zugleich. Die nicht besonders gute und daher auch erfolglose Comedy, die erst diese Season auf CBS startete, macht so wenig aus ihrem schwulen Hauptcharakter, das man sich fragt, warum genau er als explizit schwul eingeführt wurde. Nicht dass es immer eine besondere Bewandnis haben müsste, aber um wie beispielsweise bei The Good Wife als gegebener Fakt hingenommen zu werden, wird es eben zu stark betont. Und wenn es gerade einmal passt, wird ein schlechter Witz über den schwulen Bruder/Sohn gerissen, ohne dabei im 21. Jahrhundert zu bleiben.

Eine völlig aberwitzige Entwicklung vollführt Two and a HalfMen gerade. Nachdem man in der letzten Staffel den "halben Mann" durch die lesbische Tochter des in der Serie verstorbenen Charlies ersetzte und damit meiner Meinung nach tief ins queere Fettnäpfchen trat, versucht man es in dieser Staffel weiterhin mit schlechtem Homo-Humor. Weil Walden nämlich gern ein Kind hätte, aber keine passende Frau hat und man nach jahrelangem Kampf der LGBT-Community für Gleichberechtigung in Kalifornien endlich heiraten und adoptieren darf, nutzt Walden eben jene Errungenschaft schamlos aus und heiratet kurzerhand Alan. Auch wenn hier und da durchaus gut mit diesem Fakt gespielt wird, so ist es wohl eher als Beleidigung für viele Homosexuelle zu empfinden.

Einen kleinen Lichtblick gibt es jedoch. Und gerade MTV liefert ihn. Mit der Serie Faking It servierte man uns eine auf den ersten Blick hin platte Teenie-Story um Beliebtsein und Coming-Out in der Highschool. Doch bereits nach einigen Folgen zeigten die Macher Herz und machten nicht nur aus der Titelstory um die zwei Fake-Lesben (von denen eine gar nicht mal so fake-lesbisch ist), sondern auch aus einem Nebencharakter recht viel. Der schwule Shane ist zwar etwas Klischee-angehaucht (grandios dargestellt von Michael J. Willet; United States of Tara, G.B.F.), aber als Charakter nicht nur ehrlich und beratend unterwegs, sondern bekommt auch seine eigenen Storylines. Und die sind erfreulich aktuell und klischeebefreit.

So ist er an sich zwar eher promiskuitiv eingestellt, ist aber doch immer öfter in längere Beziehungen verwickelt. Zuletzt durfte er samt einiger Gay-Dating-Site-Seitenhieben mit dem Yogatrainer anbandeln. Recht sexy und offen zeigt die MTV-Serie dabei rangeleien und Küsse. Allerdings hat der Yoga-Trainer einen Haken: Er ist noch ungeoutet, da er ein Sportstipendium fürs College braucht und sich "schwul" im Lebenslauf dafür schlecht eignet.

Fazit

Mit der Zeit ist eine realitätsnahe Darstellung von Schwulen (und auch Lesben, was bei mir immer nicht so durchkommt) immer besser in Serien vertreten. Für das T in LGBT gibt es leider weiterhin keine mir bekannten Beispiele (bis auf die kurze Story in der kurzen Serie Dirty Sexy Money). Aber auch weiterhin sind viele Vorurteile und Klischees präsent, die zwar nicht immer, aber meistens, unangenehm aufstoßen. Für die Zukunft erhoffe ich mir mehr Mut und mehr Authentizität, auch wenn wir schon ein ganzen Stück weit gekommen sind.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Jahresrückblick eines Serienjunkies

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, im TV laufen allerhand Jahresrückblicke. Da will auch ich nicht fehlen und blicke daher zurück auf das Serienjahr. Für viele war es das Jahr, in dem Breaking Bad zu Ende ging. Da ich die Serie nie verfolgt habe, bleiben mir also ein paar andere Eindrücke und es geht nicht wie bei den Emmys in jeder Kategorie um Breaking Bad. Dafür fällt des Öfteren The Good Wife auf, das mit seiner sechsten Staffel qualitativ da weitermacht, wo die fünfte Staffel endete. Aber auch andere Serien begeisterten. Und nur weil sie hier nicht erwähnt werden, heißt das auch nicht, dass sie schlecht sind. The Big Bang Theory ist zum Beispiel ein Kandidat, der konstant auf meiner Liste steht, mich jedoch nie übermäßig begeistert, so wie es Serien tun, die hier gleich Erwähnung finden.

Beste neue Comedy-Serie 2014
Faking It (MTV) - Aus plattem Plot wird mit viel Herz richtig viel herausgeholt. Und laut lachen muss ich auch ständig.

Beste neue Drama-Serie 2014
How to Get Away With Murder (ABC, kurz HTGAWM) - Spannend, schnell erzählt und mit extrem gutem Cast ist die Serie nach ihrem durchwachsenen Piloten extrem schnell extrem suchtgefährlich geworden.

Beste alte Drama-Serie
The Good Wife (CBS) - Diese Serie ist und bleibt für mich das Maß aller Dinge. Intelligent, ohne viel Schnick Schnack elegant erzähltes Fernsehen. Und im sechsten Jahr deutlich stärker als viele andere Serien in diesem Alter.

Beste alte Comedy-Serie
Modern Family (ABC) - Auch hier ein großes Lob an die Autoren, die in derebenfalls  6. Staffel noch so witzig sind wie eh und je. Die Charaktere geben extrem viel her und der Cast ist exorbitant gut.

Guilty-Pleasure-Serie 2014
Chasing Life (ABC Family) - Eingeschaltet habe ich wegen Scott Micheal Foster (Greek, Once Upon a Time), geblieben bin ich aufgrund der angenehmen Grundstimmung trotz des Grundthemas Krebserkrankung. Nie zu übertrieben dramatisch und doch interessant.

Größte Enttäuschung 2014
Die Bekanntgabe von Archi Panjabis Ausstieg bei The Good Wife trifft mich als Kalinda-Fan schon hart. Aber verständlich ist ihre Entscheidung schon. Zum Glück hat der Ausstieg von Josh Charles gezeigt, dass die Serie den Weggang eines Hauptcharakters ohne Probleme übersteht.

Größte Überraschung 2014
Das großartige Looking wird von HBO tatsächlich in eine 2. Staffel geschickt! Trotz überschaubarer Quoten und sehr spezieller Zielgruppe.

Beste Episode 2014
Dramatics, Your Honor (The Good Wife, S05E15) - ganz klar DIE Episode, die dieses Jahr hängen bleibt. Vor allem, weil sie auch DIE Episode der gesamten Serie The Good Wife ist. (Und das, nachdem ich dachte "Hitting the Fan" war schon der Hammer.)

WTF-Moment 2014
The Mountain and the Viper (Game of Thrones, S04E08): The Mountain zerdrückt Oberyn Martells Schädel mit seinen Händen. Extrem hoher Schock-Moment mit extrem großen Ekel-Faktor.

Bestes/schlechtestes Serienfinale 2014
Zwar nicht direkt schlecht, aber wohl höchst unbefriedigend war das Finale von HIMYM (How I Met Your Mother - Ein Nachruf.). Vermutlich lagen die Erwartungen auch einfach zu hoch. Ein anderes Serienfinale habe ich interessanterweise nicht gesehen, respektive bezeichne es nicht als solches, wenn die Serie einfach gecancelt wird.

Bester Schauspieler 2014
Jonathan Groff (Patrick, Looking; Frozen; Glee)
Andy Samberg (Jake, Brooklyn Nine-Nine)
Peter Dinklage (Tyrion Lannister, Game of Thrones)

Beste Schauspielerin 2014
Wie immer: Julianna Margulies (Alicia Florrick, The Good Wife)
Neu: Viola Davis (Annaliese Keating, HTGAWM)

Bester Nebendarsteller 2014
Micheal J. Willet (Shane, Faking It)
Andre Braugher (Cpt. Ray Holt, Brooklyn Nine-Nine)

Neue Lieblingsfiguren 2014
Patrick aus Looking
Connor aus HTGAWM

Alte Lieblingsfiguren
Mindy Kaling aus The Mindy Project
Phil Dunphy aus Modern Family

Traurigster Serienmoment 2014
Will's Tod bei The Good Wife - Vor allem die Umsetzung war grandios. Erst plötzlich, dann lange ungewiss und schließlich mit trauriger Gewissheit. Gänsehaut pur. So lange hatte ich schon lange keinen offenen Mund mehr beim Serie schauen.

Bemerkenswertester Abschied 2014
Cristina Yang (Sandra Oh), eine der ursprünglichen fünf "jungen Ärzte" bei Grey's Anatomy, verlässt nach der 10. Staffel Seattle und lässt damit nur noch Meredith und Alex zurück. Nicht besonders emotional, aber bemerkenswert. Ich war immer ein großer Cristina Fan (auch wenn ich die Paarung mit Owen nie mochte) und werde sie vermissen.

Auffälliges Merkmal 2014
Remakes, Spin-Offs, Adaptionen. Siehe Please Reboot, then Adapt, but don't Spin-Off!
Außerdem: Immer mehr Serien bauen von Anfang an auf schwule Charaktere - sehr zu meiner Begeisterung.

Nervigste Storylines 2014
Alan und Walden heiraten bei Two and a Half Men.
Die erneute Mord-Story bei Downton Abbey um Bates/Anna.
Einziger Kritikpunkt an HTGAWM: Die nervigen Rückblenden in die Mordnacht, die sich ständig wiederholen und selten wirklich neues bringen.

Bestes Online-Video 2014
Dieses kleine Schmankerl hier hats mir angetan:



Die Web-Serie Play It Again, Dick (Von und mit den Machern von Veronica Mars)

Beste Szene 2014
Aus The Morning Aftermath (Faking It, S02E01): Nachdem Liam mit Amy geschlafen hat, muss er nackt aus deren Zimmer flüchten. Und zwar aus deren Fenster steigend am Wohnzimmerfenster vorbei, woraufhin sich Amys Mutter freut, dass ihre Tochter nun wohl doch nicht lesbisch ist.

Größte Vorfreude für 2015
Looking, Staffel 2
Game of Thrones, Staffel 5
HTGAWM, Fortsetzung Staffel 1
Cougar Town, Staffel 6

Zu Guter letzt einen Dank an die Serienjunkies-Readaktion, die mich schon seit Jahren mit dieser Kategorie begeistert und mich damit auch zu diesem Post inspiriert hat.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Alles Krimi, oder was? - Wie es um die deutsche Serie steht



Diesmal soll es ausnahmsweise nicht um die üblichen Verdächtigen der US-Serienlandschaft gehen, sondern um hiesige Produktionen. Dass es gar nicht so leicht ist, erwähnenswerte, weil gute, Serien zu finden soll dabei auch thematisiert werden.

Beginnen wir also einmal damit, einen Grund zu suchen, weshalb nahezu jeder Serienjunky sich nur dann für einen solchen hält, wenn er auf seiner Liste 20 US-Serien hat und sich lediglich zwischendurch "auch mal" eine deutsche Serie anschaut.

Zunächst hat serieller, fiktionaler Stoff in den USA einen größeren Stellenwert, schon seit Urzeiten wird in den sogenannten "Seasons" (jeweils September bis Mai) eine ganze Horde neuer Serien (und zwar jedweder Art) auf den TV-Markt geworfen. In Deutschland hingegen planen die Sender inkohärenter, füllen viele Abende mit der X-ten Wiederholung eines Spielfilms oder auch Unterhaltungsshows. Dabei haben es Serien schwer, denn nicht nur unterbricht man die regelmäßigen Ausstrahlungen, man liefert gleichzeitig auch noch einmalige Gründe, die ein oder andere Folge der gerade erst gestarteten Serie zu verpassen und so den Anschluss zu verlieren. Zu allem Überfluss liefert das Ausland (und da eben besonders die USA) genügend kreativen Nachschub um die Zuschauer zu befriedigen. Dass wir dabei dumpf amerikanische Probleme konsumieren ist ein Nebeneffekt. Dabei gäbe es auch in Deutschland gute Grundlagen für Politthriller, Milieu-Serien oder andere Genre-Serien - und zwar fernab jeglicher Krankenhaus- oder Krimisettings.

Damit wäre wir beim nächsten Problem: Wenn in Deutschland eine Serie produziert wird, dann ist sie zu 70 %iger Wahrscheinlichkeit ein Krimi. Der Rest wird gefüllt mit der ein oder anderen Arztserie und im ZDF gern mit Familienserien mit Tieren (Robben, Affen...). Anwaltsdrame à la Good Wife? Plotthriller wie Scandal? Fehlanzeige. Selbst die deutsche Comedy ist nicht mehr das, was sie einmal war. Trotz all dessen gibt es ein paar Beispiele, die neben qualitativ auch noch erfolgreich sind und waren.

Die RTL-Comedy-Ära

Ende der 90er, Anfang der 2000er gab es eine Handvoll durchaus sehenswerter und gut besetzter Comedies im RTL-Freitagsprogramm. Allesamt aus der deutschen Mitte gegriffen und eben deshalb oft auch witzig - da für viele nachvollziehbar. Nikola mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler zum Beispiel, die im Krankenhaus stritten und auch noch im selben Haus wohnten, was dazu führte dass die Grenzen schnell verwischten. Oder auch die Normalo-Comedy Ritas Welt über Supermarkt Kassiererin Rita (Gaby Köster) und ihre Kollegen sowie Familie. Und selbst die flachen Witze im Kölner Kiosk bei Atze Schröder in Alles Atze sind noch ein recht guter Beweis, dass Comedy auch in Deutschland durchaus funktioniert. Typisches deutsches Beamtentum wurde durch Jochen Busse in Das Amt aufs Korn genommen und Die Camper lieferten mit der deutschen Tradition des Campings ihre Geschichten ab. Oberdrauf garnierte RTL 2001 den Comedy-Block mit dem von mir sehr geliebten Mein Leben & Ich, in dem Wolke Hegenbarth einen sarkastischen und mürrischen Teenager spielt. Hippieeltern und Schulsetting spiegeln das typisch deutsche Gesellschaftsbild wieder. Und das macht die Charaktere identifizierbar. Leider verschob RTL die Ausstrahlung der letzten, sechsten Staffel auf SuperRTL, wo es zuletzt 2010 im Nachtprogramm versauerte.

Ansonsten setzte RTL vorrangig auf Knall-Bumm-Peng im Stil von Cobra 11, Balko oder Der Clown. Und auch spätere Comedy-Produktionen waren überschaubar - sowohl inhaltlich als auch erfolgstechnisch. Erst mit Der Lehrer scheint wohl wieder eine Art Erfolg gelungen zu sein.

Die Bora-Dagtekin-Dramedy

Bora Dagtekin ist so etwas wie der Messias für jeden Serienfreund in Deutschland. Denn er schuf zwei äußerst witzige, echte Serien mit verschrobenen Charakteren, die trotzdem sympathisch waren - noch bevor er mit Fack ju Göhte die Kinokassen sprengte. Auch im Kino erfolgreich, jedoch schon zuvor als Serie in der ARD zu sehen: Türkisch für Anfänger. Josefine Preuß und Elyas M'Barek spielten die beiden Protagonisten der Familiencomedy. Und die war so deutsch, wie sie sein konnte: Mutter Alt-Hippie, Vater Polizeibeamter aus türkischer Einwandererfamilie. So macht man sich das deutsche Gesellschaftsbild zu Nutze und kreiert herrliche Konflikte. Dabei zuzusehen, wie Vorurteile und Klischees durch gekonnte Charakterzeichnung und gute Komik langsam aufgeweicht werden, machte einfach Spaß.

Auch wenn der zweite Streich auf dem Papier vielleicht nicht so kreativ anmutet, so ist es Doctor's Diary gelungen, ein breites Publikum durch eine deutsche Produktion zu begeistern. Trotz dass es sich hier um eine Krankenhausserie dreht, so ist man weit entfernt von dem staubtrockenen In aller Freundschaft oder Antiquitäten wie Für alle Fälle Stephanie. Sexy, witzig und manchmal auch ganz schön drüber -  der Zuschauer fiebert mit Dr. Gretchen Haase (Diana Ampft) mit, wenn sie ihren Krankenhausalltag zwischen Dr. Mehdi Kahn (Kai Schuhmann) und Dr. Marc Meier (Florian David Fitz) verlebt. Bis in die kleinsten Rollen gut besetzt, liefert die Serie sowohl emotional als auch für die Lachmuskeln guten Stoff. Wenn auch leider nur über drei sehr kurze Staffeln so ist die Serie zumindest eine gute Tat des ausstrahlenden Senders RTL.

ProSieben/Sat1 mit Hochs und Tiefs

Immer noch die größten Bestrebungen, im fiktiven Bereich Serien zu produzieren, zeigt seit Jahren Sat1. Leider nicht so oft von durchschlagendem Erfolg gekrönt (was an abgekupferten Konzepten wie dem deutschen Dr. House "Dr. Molly & Karl" liegt), schaffte es der Sender trotzdem, zwei Serien dauerhaft zu etablieren. Und zwar gleich im Doppelpack. Der letzte Bulle spielt als Krimi zwar wieder in einer typisch deutschen Liga, unterscheidet sich aber insofern, als dass sich zumindest die Backstory deutlich von anderen Krimis unterscheidet.

Danni Lowinski liefert zwar auch das Fall-der-Woche-Schema, jedoch auf äußerst erfrischende Weise. Die ehemalige Friseurin, die auf dem zweiten Bildungsweg Anwältin wird, die aber aufgrund eben dieses keinerlei Anstellung findet, gründet kurzerhand ihre eigene Kanzlei. Ihr "Büro" befindet sich im Gang des Einkaufszentrums, ihr Stundensatz beträgt einen Euro. Somit kommen wir mit Fällen in Verbindung, die durchaus eher sozialer als materieller Natur sind, das ungewöhnliche Setting erlaubt es Danni (Anette Frier), sich begründet übermäßig zu involvieren, etwas das zum Beispiel dem bereits angesprochen Für alle Fälle Stephanie nie gelang (Warum sollte sich eine Krankenschwester in die privaten Angelegenheiten ihrer Patienten so permanent einmischen?). Und auch die Nachbarn im Kaufhaus sowie ihr eigener Hintergrund erzählen ein bisschen was von der deutschen Gesellschaft. Der Gute Eindruck der Serie ging sogar soweit, als dass sich der US-Sender The CW (eines der 5 großen Networks) für eine US-Adaption des Stoffes interessierte. Hört hört!

Sat1 war es auch, die uns mit Edel & Starck eine weitere Anwaltsserie brachten, die mit ihrem Charme und der Chemie zwischen den beiden Dauerstreithähnen in der Kanzlei zu überzeugen wusste. Christoph M. Ohrt und Rebecca Immanuel zeigten uns, wie deutsche Anwälte aussehen, im Gegensatz zu den oft noch extremeren US-Pendents.

Selbst ProSieben hatte einst eine kleine Perle am Start, die leider unbemerkt auf den Grund des (Quoten-)Meeres sank. Freche Dialoge und das Lebensgefühl einer jungen Generation Großstadtbewohner  kennzeichneten die Serie Verrückt nach Clara. Auf einer französischen Vorlage basierend, wurde leicht verdeutscht und geboren war eine deutsche Serie, wie ich sie mir vorstelle: Leise Momente, gefolgt von einem kessen Spruch der Hauptdarstellerin gepaart mit einer guten Portion Liebes- und Lebensdrama. Leider kam die Serie beim deutschen Zuschauer so gar nicht an und ProSieben verschob die Serie von 20:15 auf 22:15 und schließlich ins Nachtprogramm.

Dass Adaptionen ausländischer Projekte inklusive Verdeutschung super funktionieren können, zeigten die Macher von Stromberg. Fünf Staffeln lang mimte Christoph Maria Herbst in der deutschen Version von "The Office" (das britische Original wurde bereits in den USA adaptiert) die höchst eigene Version eines deutschen Chefs. Gekrönt wurde der Erfolg von einem Film.

Krimi-ZDF und Ideen bei der ARD

Während sich das ZDF im Serienbereich quasi ausschließlich auf Krimis spezialisiert, kommt der sonst so kritisierte, weil altbackene Sender ARD deutlich öfter mit frischen Ideen daher, wenn auch oft nur im Vorabendprogramm. Sternenfänger mit Oliver Pocher und Nora Tschirner war so ein Beispiel, ein typisches Jugenddrama mit super Setting und guten Stories. In jenem Vorabendprogramm war auch Türkisch für Anfänger zu finden sowie das überaus witzige Berlin, Berlin mit Felicitas Woll und Jan Sosniok. Selbst UmHimmels Willen möchte ich als guten Versuch werten, die Serienlandschaft in Deutschland aufzuwerten. Denn obwohl es in der Serie um ein Kloster und dessen Bewohnerinnen - also Nonnen - geht, kommt typisch deutscher Kleinstadtdümpel in Form des Bürgermeisters (grandios: Fritz Wepper) dazu, der sich regelmäßig mit der von Jutta Speidel potraitierten Schwester Lotte anlegt. Auch die Moralkeule in Form von christlichem Übereifer wird erfreulich selten geschwungen. Über den späteren Verlauf mit Umbesetzung und künstlichem am Leben halten sei an dieser Stelle nichts gesagt. Die Grundidee war jedoch durchaus charmant und gut umgesetzt.

Fazit

Ich gebe zu, es gibt sie, die guten deutschen Serien. Doch leider ist es deutlich schwieriger eine Handvoll zu finden, als auf dem breit gefächerten US-Markt. Und ja, auch dort gibt es Müll und eine Menge Crime-Procedurals. Ich habe auch nichts gegen Krimis, aber in der Hülle und Fülle und zunehmend unkreativeren Art und Weise wäre es mal an der Zeit für ein paar neue Ideen. Wenn man sich zusätzlich dazu noch den ein oder anderen Import (Erfolg ist auch hier nicht garantiert) sparen würde, so könnte man eventuell auch einem deutschen Format eine Chance geben. Die hier gezeigten Beispiele zeigen zumindest schon einmal, dass es durchaus möglich ist, in Deutschland eine gute Serie zu machen und dabei auch erfolgreich zu sein.