Dienstag, 10. Juni 2014

A Weird Year for Alicia – But a Great One for the Fans


Kritikerlob, unzählige Nominierungen für renomierte Preise und ein Cast allererster Sahne. Das ist The Good Wife kurz zusammen gefasst. Vier Staffeln lang lieferte man gute Unterhaltung, Spannung und interessante Fälle. Und immer war der Ton der Serie seriös, gehalten und intelligent.
Und dann begann die fünfte Season. Schon gegen Ende der letzten Staffel bereitete man einen Gamechanger vor, welcher anfang der neuen Staffel explodieren sollte. In #5.05 Hitting the Fan überschlagen sich die Ereignisse, die Spannungen zwischen den Charakteren brechen heraus und The Good Wife ist nicht mehr das, was es einmal war. Was mir da schon als große Veränderung erschien, steht jetzt im Schatten eines anderen, viel gewaltigeren Ereignisses: Wills Tod in #5.15Dramatics, Your Honor. Die Folgen für die Protagonisten und ihre gewohnte Umwelt sind verheerend, das Staffelfinale (#5.22 A Weird Year) wirft erneut alles über den Haufen und konstruiert komplett um. Und so schafft es die Serie, eine der besten (wenn nicht sogar die beste) Staffeln ihrer Geschichte abzuliefern. Selten gibt es ein solches Aufbegehren in dem schon fortgeschrittenen Alter der Serie.

Die Folgen:
Alicia

Wir kennen Alicia als starke Anwältin, die trotzdem hin und wieder ihre verletzliche Seite zeigt, gerade wenn es um ihre beiden Kinder geht. So beendete sie die Affaire mit Will aufgrund des ihrer Meinung nach zu großen Einflusses auf ihre Kinder und söhnte sich schließlich mit Peter aus. Ihr Weg zur eigenen Kanzlei scheint dies zu unterstreichen, entfernt sie sich jetz auch geographisch von Will. Doch als dieser plötzlich stirbt, wird ihr schmerzlich bewusst, dass es ganz ohne Will in ihrem Leben nicht geht – leider zu spät. Ihre Trauer und Wut lässt ihren Hang zum guten Wein wieder etwas aufleben. Alicia ist geistesabwesend und unbändig. Cary versucht, so gut es geht die Geschäfte von Florrick/Agos allein zu bewältigen, um Alicia, die inzwischen auch zu einer Art freundin für ihn geworden ist, zu entlasten. Gleichzeiting stauen sich dadurch auch Probleme auf. Alicia ist kaum belastbar und es traut sich in dieser Situation auch keiner, ihr Paroli zu bieten. Erst im Staffelfinale entlädt sich Carys Frust über so manch Entscheidung, die Alicia in ihrer Trauer traf.
Und auch privat geht Alicia nicht mehr so rücksichtsvoll vor. Zum ersten mal hat man den Eindruck, dass sie Entscheidungen für sich selbst trifft und nicht etwa im Sinne ihres Mannes und seiner Karriere oder auch zugunsten ihrer Kinder. Die Ehe mit Peter beendet sie kurzerhand, sie soll nur noch auf dem Papier bestehen bleiben. Und endlich lässt sie auch ihrer Wut ihm gegenüber freien Lauf:
Peter: „How many times do I have to tell you, when I cheated it didn’t mean anything?“
Alicia: „When I cheated, it did!“
Am Ende steht Alicia irgendwie allein da, obwohl jeder mit ihr sympatisiert. Der Start in Staffel sechs sollte also spannend werden, beruflich und privat.

Diane und Kalinda

Die beiden verbliebenen Damen bei Lockhard/Gardener gehen in dieser Staffel auch durch eine schwere Zeit. Nicht nur verliert Diane zunächst eine Riege guter Anwälte, die auch noch gut zahlende Klienten mitnehmen, sie verliert auch immer mehr an Einfluss in der Kanzlei. Machtspiele rund um David Lee sind nichts neues, als Diane jedoch Will als Partner verliert, bricht ein offener Krieg aus. Ein Krieg, der sie immer weiter in Richtung Alicia treibt, da sie mit ihr die alten Zeiten verbindet. Damit verliert sie allerdings noch mehr Ansehen in ihrer Kanzlei. Auch der verzweifelte Versuch, mit Louis Canning Stabilität in die Geschäfte zu bringen scheitert. Und am Ende sitzt Diane bei Florrick/Agos am Tisch und bittet um ihre Aufnahme dort.
In dieser ganzen Zeit weicht ihr eine Person nie von der Seite: Kalinda. Deren Freundschaft zu Alicia rückt in immer weitere Ferne und so wird Kalinda zur wichtigsten Vertrauten für Diane. Und in keiner Sekunde zweifelt man an deren Aufrichtigkeit, auch wenn die Machen wie immer mit Kalinda als Charakter spielen.
Kalinda selbst ist in dieser Staffel zunächst weniger stark hervorgetreten. Erst mit Wills Tod sticht sie immer wieder mit tollen Aktionen hervor. Einzig ihr Umgang mit Cary mag mir nicht so recht gefallen. Wobei Cary auch nicht ganz unschuldig ist, schließlich lässt er es ja mit sich machen. Sie selbst wird von Wills Ableben stärker getroffen als ich es ihr zugetraut hätte. Ihr sadistisches Spielchen mit Jeffrey Grant, wills Mörder oder auch manch Moment der Ziellosigkeit, den man von Kalinda nicht kennt, machen dies deutlich. Kalinda ist und bleibt ein interessanter Charakter, der immer wieder zum Spielball zwischen den Fronten wird und an dem man oftmals den Stand der Beziehungen gut messen kann.

Lockhard/Gardener

Am Anfang der Staffel war die Kanzlei gerade wieder auf dem Weg nach oben. Die Insolvenz abgewendet, konnten Will und Diane wieder in die Vollen gehen. Doch plötzlichen seilen sich die Anwälte des vierten Jahres ab, darunter ihr Star Alicia und der nicht weniger gute Cary. Außer sich vor Wut (und sicher auch Verzweiflung, die Folgen ahnend) bricht Will mit Alicia. Doch nicht nur, dass die Anwälte fehlen, nein, sie werben L/G auch noch wichtige Klienten ab, darunter den Software-Riesen ChumHum. Der Krieg zwischen der „alten“ Macht und den neuen Senkrechtstartern von Florrick/Agos fordert Kraft von beiden Seiten. Und nicht immer sind alle Partner bei L/G einverstanden. Besonders David Lee beginnt, sich intrigant von seiner schlechtesten Seite zu zeigen. Und auch zwischen Will und Diane ist nicht immer alles klar.
Auch hier wird DAS Ereignis der Staffel zum Wendepunkt. So verliert Diane immer mehr Einfluss und muss sich zunehmend dem Druck von Lee und Canning beugen, ja läuft sogar Gefahr völlig die Kontrolle zu verlieren. Damit bleibt ihr nur noch die Flucht nach vorn: Der Weg zu F(A. Sicherlich kein leichter, gerade mit der Vorgeschichte dieser Staffel. Doch Alicia sympathisiert mit der Weggefährtin von Will und agiert ungewohnt sentimental. Die daraus resultierenden Probleme bei F/A werden uns nächste Staffel beschäftigen. Und die Spannung steigt, wo welcher Anwalt in Zukunft sein Lohn und Brot erhält.

Und nun?

So gut die fünfte Staffel war, so schwer wird die sechste. Zum Einen sind die Erwartungen an die Serie nun höher als je zuvor, zum Anderen steht nach Wirbel und Trauer für viele Fans die Frage im Raum, ob es jemals einen „Ersatz“ für Will geben wird, auch für Alicia im Hinblick auf einen Love-Interest. Auch das Ende mit Elis Anruf und dem damit verbundenen Angebot an Alicia, in die Politik zu gehen, stimmt mich unentschieden. Es stehen noch turbulente Zeiten bevor und die Vorfreude auf die nächste Season steigt. Bitte mehr Dramatics, You Kings!

Mittwoch, 30. April 2014

Die Serien und der Tod

[Dieser Text enthält massive Spoiler zu The Good Wife und Game of Thrones!!!]


Ein komischer Titel für den zweiten Blogeintrag, aber ich möchte aufgrund meiner letzten Seherfahrungen einfach mal etwas zu diesem Thema sagen.
Wir lieben sie, wir hassen sie, wir leiden mit ihnen, wir freuen uns über ihr Versagen - Seriencharaktere. Und genau wie im "echten Leben" lauert auch hier der Tod. Nun gibt es viele Arten, einen Charakter loszuwerden, Tod ist nur einer davon. Doch zumeist stellt er etwas endgültiges dar und eröffnet meist gute Möglichkeiten, um die anderen Charaktere zu verändern.

Der alles verändernde Tod

Eben dies passierte quasi mitten in der fünften Staffel der CBS-Anwaltsserie "The Good Wife". Als einer der Hauptdarsteller keine Vertragsverlängerung wollte, entschied man fernab der Öffentlichkeit, den Charakter des Will Gardner sterben zu lassen. Bis zur 15. Episode der aktuellen Staffel wurde dieses Geheimnis gut gehütet und so war der Zuschauer umso schockierter und ergriffener von Wills extrem plötzlichen Tod. Und mehr noch erhielt die Staffel eine völlig neue Wende. Alles schien nun möglich, die verbliebenen Charaktere, allen voran Alicia und Diane, sollten nun beweisen, wie durchdachte Charakterarbeit der Autoren funktioniert. Unglaublich subtil und eindringlich stellt man den immer wiederkehrenden Schmerz und Leere dar, die ein geliebter Mensch hinterlässt. Aber auch die Wut und die sich verändernden Machtverhältnisse in der Kanzlei werden gut beleuchtet, bis hin zu den Nebenpersonen. Damit macht die Serie bisher aus der schlechten Ausgangslage –  Serien die zentrale Frage wie er sich befreit, sondern ob.r, ist er in einer prekären Situation, dann ist nicht wie bei ein langjähriger Hauptdarsteller und immer-wieder-Love-Interest der Hauptperson verlässt die Serie – eine Tugend. Die etwas festgefahrenen Storylines werden völlig neu aufgestellt und somit spielt die Serie ihren alten Stärken perfekt aus.

Der alltägliche Tod

Ganz anders geht die Ausnahme-Serie "Game of Thrones" mit dem Tod um. Zum einen spielt sie in einer anderen Zeit, in der ein einzelnes Leben noch nicht ganz so viel zählte wie heute, zum anderen gibt es eine ganze Masse an toten Hauptcharakteren zu betrauern. Spätestens als Ned Stark in der neunten Episode der ersten Staffel seinen Kopf verlor, war mir klar: Die Macher meinen es ernst! Getreu der Vorlage von George R. R. Martin ist kein Charakter sicher. Ist er in einer prekären Situation, dann ist nicht wie bei anderen Serien die zentrale Frage, wie er sich befreit, sondern ob. Und genau das erhöht bei extrem vielen Aufeinandertreffen und Auseinandersetzungen die Spannung merklich. Vermutlich ist auch gerade das der Reiz, der Game of Thrones interessant macht und von anderen Serien abhebt. Denn es braucht schon Mut, einen geliebten Charakter über den Jordan zu schicken. Andere Serien schaffen das nicht. Lafayette aus "True Blood" zum Beispiel stirbt in der Buchvorlage schon recht früh. In der Serie jedoch ist er nach wie vor dabei.

In "Six Feet Under" geht es noch ganz anders zu: Hier stirbt in jeder Folge jemand. Doch sind es uns unbekannte Menschen, die dann im Bestattungsinstitut der Familie Fisher landen. Einzig das Ende der Serie zeigt ihre besondere Verbundenheit zum Thema Tod. Nachdem bereits eine Folge zuvor in der Gegenwart einer der Fishers starb, sehen wir in den letzten Minuten der Serie jedem Hauptcharakter dabei zu, wie er (in teilweise sehr ferner Zukunft) stirbt.



Der sinnlose Tod

Und dann möchte ich noch ein paar Worte zu den weniger gelungenen Ableben von Charakteren sagen. Ganz abseits von Logiklöchern in Mystery- oder SciFi-Serien, wo jedem halbwegs intelligenten Zuschauer mindestens drei Wege einfallen, wie man den eben Verstorbenen hätte retten können, gibt es auch in Drama-Serien weniger gut durchdachte Geschichten, die zum Tod einer Person führen.

In "Brothers & Sisters" entschied sich Rob Lowe, in der fünften Staffel nicht mehr dabei sein zu wollen. Da die Serie schon diverse Scheidungsstories hinter sich hatte, erlebte Familie Walker im Finale der vierten Staffel daher kurzerhand einen schweren Autounfall. Doch anstatt, dass Robert McAllister an Ort und Stelle einen tragischen Tod stirbt, lässt man seine Frau Kitty am Anfang der fünften Staffel (ein Jahr nach dem Unfall) am Krankenbett ihres im Koma liegenden Mannes sitzen. Was sicherlich gut gedacht war, verkam ins Lächerliche, denn noch in derselben Episode entschied Kitty, dass die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt werden sollten. Und kurze Zeit später war sie von einem Mittzwanziger schwanger. Da kann man leider nur mit dem Kopf schütteln und sagen, dass diese Serie mit Recht nach einer verkürzten fünften Staffel abgesetzt wurde.

Und auch in "The O.C." führte eine ähnliche Ausgangssituation, dass Marissa in der vierten Staffel nicht mehr unter den Lebenden weilte. Wurde ihr Tod noch annehmbar dargestellt, so fehlte mir es in dessen Behandlung an Tiefe und Nachvollziehbarkeit. Ein absolut veränderter Ryan, der sich nach langer Zeit bei den Cohens komplett von ihnen lossagt, wird innerhalb weniger Folgen wieder "normal" und kommt mit Taylor Twnsend zusammen. Und dort ist das nächste Problem: Als Teenie-Serie war OC immer auf die Paare der Serie ausgerichtet und so sehr man Marissa auch hassen mochte, es lief immer auf die Paarung mit Ryan hinaus. Doch mit ihrem Tod enstand eine riesige Lücke, die die beförderte Taylor nicht zu füllen vermochte. Das lag allerdings weniger an der tollen Autumn Reeser als viel, viel mehr an den Autoren, die aus der in Seth verliebten Antagonistin eine in Ryan verliebte Hauptfigur machten.

Fazit

Manchmal zerstört der Tod einer zentralen Figur eine Serie, manchmal belebt er zur richtigen Zeit eingefahrene Plots. Manchmal ist er gut dargestellt, schlüssig erzählt und mit den richtigen Konsequenzen für alle Beteiligten ausgestattet. Und manchmal ist es so, als ob die Autoren gerade dachten "Ach komm', lass mal einen sterben, hatten wir noch nie".

Dienstag, 1. April 2014

How I Met Your Mother - Ein Nachruf.



Es wird sie immer geben, diese Serien, die uns jahrelang begleiten und sich fest in unsere Herzen spielen. How I Met Your Mother ist solch eine Serie für mich. Und während immer mehr Serien den Quoten-Tod sterben, ohne die Möglichkeit eines geplanten Endes zu erhalten, so bekam HIMYM eben Diese. Nun kann es ein Geschenk, aber eben auch ein Fluch sein, denn schließlich muss ein Finale für immer und ewig so dastehen, es kann nicht durch die nächste Staffel relativiert werden. Und es muss das schier Unmögliche schaffen: Möglichst alle Fans zufrieden zu stellen.
Letzteres, so darf man wahrlich sagen, ist HIMYM nicht gelungen. Die Absichten der Macher sind nobel - nichts allzu Vorhersehbares, kein Happy-Ending-All-the-Way. Doch man kann es mit Wendungen, Twists und Überraschungen auch übertreiben. Zumahl das Erzähltempo wohl den aberwitzigsten Sprung hinlegte: 22 Episoden bilden 56 Stunden ab, die letzten zwei wahnsinnige 17 Jahre. Und auch wenn die Serie (teilweise erfolgreich) versuchte, einige Blicke in die Zukunft zu wagen und damit einen guten Teil der Arbeit schon erledigte, so blieb doch noch viel zu viel übrig - so viel, dass man es in 42 Minuten gar nicht unterbringen kann.
Viel wurde geschrieben am heutigen Tag, der ironischerweise der 1. April ist. Einige hoffen, es handle sich um einen verfrühten Aprilscherz, andere halten es für das beste Serienfinale aller Zeiten. Ich selbst bin irgendwo zwischen Verzweiflung und dem Versuch, mir einzureden, dass das schon alles so passt.
Doch sind wir ehrlich: HIMYM war in den ersten drei Staffeln überragend, wurde dann etwas flacher, fand sich hin und wieder und machte aus einer zähen neunten Staffel gegen Ende das Beste. Die Szenen mit der heißersehnten Mutter waren grandios, die 200. Folge trotz einiger Unkenrufe eine der besten der Serie. Das Finale ist da nur ein kleiner Mosaikstein, aber eben jener, der jedermanns Interesse sofort aus sich zieht und mit ihm steht und fällt der Gesamteindruck. Und so viel auch kritisiert und gelobt wurde am Finale, so ist es genau ein Punkt, der am meisten schmerzt: Nachdem wir staffelweise Auf und Ab zwischen Ted und Robin erlebt hatten, arbeiteten die Autoren auf das Ende dieser Paarung hin, das endgültige Ende. Robin gehöre zu Barney ließ man uns glauben. Ted ließ Robin endlich los und war frei für die Mutter. Alles war stimmig, wenn auch langatmig, dargelegt und ergab Sinn. Die letzten zwei Minuten der Serie machten dieses von langer Hand vorbereitete Szenario völlig zu Nichte und stellen damit den gesamten Sinn der Serie auf den Kopf. Die Einen sagen, wer genau hinschaut, weiß das von der ersten Folge an und es würde immer wieder darauf hingewiesen. Doch das erklärt nicht, warum man uns so arg in die Irre führte, wenn alles doch so schnell revidiert werden würde.
So endet eine Ära. HIMYM schrieb keine Fernsehgeschichte wie es Friends einst tat, vielleicht auch weil es nicht konstant so gute Qualität lieferte, aber sie ist eine Serie, die in Erinnerung bleiben wird.Ob in guter oder in schlechter, muss nun jeder selbst Entscheiden. Die große Chance, mit dem Finale eine gute Serie würdig enden zu lassen, haben die Macher jedoch leider vertan. Denn, wenn ein Großteil der langjährigen Fans so gar nicht mit dem Ende zufrieden ist, dann ist wohl etwas schief gegangen.

Byebye How I Met Your Mother.