Mittwoch, 21. Dezember 2016

Jahresrückblick eines Serienjunkies 2016

(Dieser Rückblick bezieht sich auf die US-Ausstrahlung. Daher schon vorab eine Spoilerwarnung. Wenn es um sehr aktuelle Ereignisse geht, werde ich noch einmal darauf hinweisen.)

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, im TV laufen allerhand Jahresrückblicke. Da will auch ich nicht fehlen und blicke daher zurück auf das Serienjahr. Das Jahr war geprägt von Warten und Ankündigung zu warten - ich spreche von Gilmore Girls und der Nachricht, dass es bis zum Sommer 2017 dauert, bis die neue Staffel Game of Thrones erscheint. Für mich war es auch das Jahr, in dem ich mich von The Good Wife trennen musste. Außerdem wird seit neustem mein Serienherz durch Netflix vervollständigt.

Beste neue Drama-Serie 2016
This is Us (NBC) - Eine tolle Premisse, ein talentierter Cast (u.a. Milo Ventimiglia) und bisher herzerwärmende Geschichten kennzeichnen diese Familienserie. Ein guter Ersatz für Parenthood, das letztes Jahr auslief.

Beste neue Comedy-Serie 2016
The Good Place (NBC) - Eleanor ist fälschlicherweise nach ihrem Tod in das "gute Jenseits" gekommen. Und wir dürfen sehen, wie diese perfekte Welt dadurch aus dem Gleichgewicht kommt. Locker leicht, spaßig und bunt. Das macht Spaß. Dazu Kristen Bell in der Hauptrolle, was braucht man mehr?

Beste alte Drama-Serie
The Good Wife (CBS) - Diese Serie war bis zum Schluss immer noch wahnsinnig gut. Sie verlor nur leider zum Ende hin etwas an Zugkraft. (siehe unten) Trotzdem verdient sie sich auch in diesem Jahr diesen Titel zu Recht!

Beste alte Comedy-Serie
Brooklyn Nine-Nine (FOX) - Eine Thriller-artige Story zum Ende der letzten Staffel und Paralta und Holt im Zeugenschutzprogramm zu Beginn der neuen Staffel sagen schon alles. Super witzig, toller Cast, einfach perfekt!

Guilty-Pleasure-Serie 2016

Supergirl/The Flash (inzwischen beide The CW) - Sie machen Spaß, sind kurzweilig und liefern die wöchentliche Superheldenration. Genau das richtige für zwischendurch!

Beste Neuentdeckung 2016
Lovesick (Netflix) - Die britische Serie schaffte es mit einer Art "The Ex-List"-Prämisse zu begeistern. Außergewöhnlicher Erzählstil, herliche, wenn auch nicht perfekte, Charaktere und so manch abstruse Situation mit allerhand Slapstick sind die Gründe dafür. Die kürzlich erschienene zweite Staffel konnte diesen Eindruck bestätigen.

Größte Enttäuschung 2016
ABC verlässt der Mut, der Quotendruck ist Marvel's Agent Carter doch noch zum Verhängnis geworden. Doch auch die zweite Staffel überzeugte mit spannender Handlung, einer stets gut aufgelegten Peggy (Hayley Atwell) und ihren urkomischen Momenten. Auch Joshua Sasse alias Galavant musste sich leider für immer verabschieden.

Größte Überraschung 2016
Es steht nicht beim schlechtesten Serienfinale, aber Begeisterung sieht auch anders aus: The Good Wife endet eher mau. Zwar versucht man für ein rundes Ende den Bogen zum Beginn der Serie zu spannen, doch dies gelingt nur mäßig. Vieles bleibt zu vage und auch Unbefriedigung über so manch Entscheidung zum Ende hin macht sich breit. Das alles überraschte mich umso mehr, da diese Serie für perfekt durchdachte Storylines und extrem hohe Erzähldichte stand.
Die zweite Überraschung des Jahres kommt auch aus dieser Ecke: CBS schickt mit "The Good Fight" ein Spin-Off zu The Good Wife in Serie, in dem es um Diane (Christine Baranski) und Quinn (Cush Jumbo) gehen wird. Elis Tochter Marissa ergänzt den Cast und erhöht so den Score.

Beste Episode 2016
Es geschieht recht selten, dass es einen Piloten gibt, der rundum begeistert. Meist wird nur der Grundstock gelegt, Interesse geweckt. Doch bei This is Us ist von Anfang an alles da, wo es hin soll - und zwar mitten im Herzen. Ein stimmiger Pilot mit toller Charakterzeichnung und einem überraschenden Ende.

WTF-Moment 2016
Wieder ist es Game of Thrones. Als die Sept of Baelor tatsächlich in die Luft fliegt, war ich echt baff. Ich hatte es bis zuletzt für möglich gehalten, dass doch noch etwas dazwischen kommt. Die kurz darauf folgende Erkenntnis, dass jetzt tatsächlich der High Sparrow, Margaery, Loras und noch einige andere gleichzeitig entsorgt wurden, war nicht weniger erstaunlich.

Bestes Serienfinale 2016
Eigentlich sollte hier The Good Wife (oder auch Gilmore Girls) stehen. Beides war nicht besonders begeisternd.

Bester Schauspieler 2016
Andy Samberg (Jake, Brooklyn Nine-Nine)
Peter Dinklage (Tyrion Lannister, Game of Thrones)

Beste Schauspielerin 2016
Julianna Margulies (Alicia Florrick, The Good Wife)
Viola Davis (Annaliese Keating, HTGAWM)
Allison Janney (Bonnie Plankett, Mom)

Bester Nebendarsteller 2016
Micheal J. Willet (Shane, Faking It)
Andre Braugher (Cpt. Ray Holt, Brooklyn Nine-Nine)

Neue Lieblingsfiguren 2016
Ben (Bryan Greenberg) gefällt mir in The Mindy Project richtig gut, ich hoffe er bleibt uns eine Weile erhalten.
Max Fuller (Elias Harger) aus Fuller House (Netflix) ist, trotz seines Alters von gerademal 9 Jahren, der absolute Scene-Stealer im Full-House Sequel!

Alte Lieblingsfiguren
Mindy Kaling aus The Mindy Project
Phil Dunphy aus Modern Family


Bemerkenswertester Abschied 2016
#UndertheSheet bei HTGAWM ist Wes! Die Serie entledigt sich tatsächlich einer ihrer Hauptcharaktere. Chapeau!

Auffälliges Merkmal 2016
Die Serialisierung von Filmen nimmt kein Ende. Und der negative Erfolg dessen ist den Serienmachern keine rechte Lehre.
Auch der Siegeszug von Fantasy und Comic im TV hält weiter an - sehr zu meiner Freude.

Nervigste Storylines 2016
Die gesamte Baby-Story um Oleg und Sophie in 2 Broke Girls ist einfach nur nervig! (Mag auch an Sophie als Charakter im Allgemeinen liegen)

Beste Szene 2016
Es gab auch positive Ecken am Gilmore Girls-Sequel - zum Beispiel die Szene in "Fall", in der sich Lorelei und Luke endlich aussprechen. Mitfiebern pur und ein paar Tränchen später steht endlich fest, dass die beiden heiraten werden. Na bitte, geht doch!

Größte Vorfreude für 2017
Game of Thrones, Staffel 7
The Good Fight

Zu guter Letzt wie immer einen Dank an die Serienjunkies-Readaktion, die mich schon seit Jahren mit dieser Kategorie begeistert und mich damit auch zu diesem Post inspiriert hat.

Montag, 28. November 2016

Gilmore Girls - Where You Lead, I Will Follow

(Da es sich hierbei um die Besprechung der vier neuen Folgen handelt, tauchen selbstredend massive Spoiler dazu auf!)

Viele Serienfans haben sich den 25. November 2016 schon vor Monaten fett rot im Kalender markiert. Die Fortsetzung der viel zu unvermittelt abgesetzten und heiß geliebten Serie "Gilmore Girls" startete nämlich am vergangenen Freitag beim Streaming-Dienst Netflix. Doch hat sich das Warten gelohnt? Verennen sich die Macher um Amy Sherman-Palladino in allzu argem Fan-Service? Kommt das Gilmore Girls Feeling auch nach fast 10 Jahren wieder auf?

Where We Were

Zunächst jedoch eine kurze Bestandsaufnahme:
Wir verließen Stars Hollow mit der großen Party für Rory, die ihren Yale-Abschluss in der Tasche hat und mit Barak Obama auf Wahlkampftournee geht. Logan hatte ihr einen Heiratsantrag gemacht, den Rory jedoch ablehnte. Daraufhin trennte sich Logan von ihr.

Lorelei wurde vom Abschied ihrer Tochter sehr mitgenommen, stimmte jedoch zu, auch weiterhin die Freitags-Dinner bei ihren Eltern zu besuchen. Und mit Luke kam es auch wieder zu einer Annäherung - die beiden küssten sich, als Lorelei erfuhr, dass Luke für fast alles auf Rorys großer Party verantwortlich war.

Where We Are Now

Wir finden uns zu Anfang direkt in Stars Hollow ein. Alles ist vertraut, Lorelei und Rory führen eines dieser super schnellen, voller popkultureller Referenzen steckenden Gespräche. Doch es dauert nicht lange, da wirkt alles zu vertraut. Alle scheinen - bis auf ein paar Änderungen - noch genau da, wo wir sie 2007 verließen. Doch dazu später mehr.

Schnell erfahren wir, dass Lorelei mit Luke liiert (jedoch nicht verheiratet) ist, dass Richard kürzlich verstarb und alsbald auch dass Rory eine Affäre mit Logan hat, welcher wiederrum verlobt ist. Der grobe Rahmen ist also gesteckt, doch so recht wohl fühlt man sich damit nicht. Hinzu kommt das Fehlen von Sookie, das nur mäßig erklärt wird, und die schiere Tatsache, dass Dinge einfach sind wie sie sind. Bis auf ein paar Ausnahmen wird so gut wie nichts tiefer ergründet, was sich in der Zwischenzeit abspielte. So wird uns nie erklärt, wie es urplötzlich wieder zu einer Paarung von Logan und Rory kam, nachdem er Rory höchst theatralisch erklärt hatte, dass sie entweder zusammen einen Schritt nach vorn gehen oder eben jeder seinen einen Weg. Auch Emily hat bis zu Richards Tod scheinbar nichts weiteres mit ihm erlebt. Bei Luke und Lorelei wird allenfalls angedeutet, dass es eine alltägliche Beziehung war.

Trotz aller Ungereimtheiten treffen wenigstens die Dialoge soweit ins Schwarze. Die Sprüche sind derb, die Anspielungen auf die Popkultur exzellent. Es ist also noch lange nicht alles verloren.

Where We Go

Ich möchte nicht episodenweise ein Urteil fällen. Das wäre im Normalfall zwar die logische Vorgehensweise, doch in Zeiten von Binge-Watching auf Netflix sei dem Zuschauer zugetraut, kurz hintereinander konsumierbare Folgen auch entsprechend inhaltlich miteinander zu verknüpfen. Und das ist im Falle von Gilmore Girls: A Year in the Life auch von Vorteil. Denn die Macher haben stringent diverse Brotkrumen verteilt. Das war nicht immer einsichtig, verwirrte des Öfteren und schien wenig zuträglich zur Story. Erst gegen Ende helfen einige der Brotkrumen, den Weg zum Finale zu finden.

Rory

Auf der einen Seite erwartete ich natürlich die Rory, die wir in Bon Voyage auf ihre Reise schickten. Doch auf der anderen Seite entwickelt sich jeder Mensch besonders zwischen 22 und 32 wohl noch einmal gewaltig weiter. Und genau davon merkt man Rory leider nichts an. Außer, dass die Macher sie in erwachsende Outfits stecken, wirkt Rory fast schon jugendlicher als zu ihren Yale-Zeiten. Sie findet es cool, keine feste Wohnung zu haben und stattdessen bei ihrer Mutter oder ihren Freunden zu "crashen" - oder aber natürlich bei Logan. Doch mit dem ist sie nicht etwa zusammen. Sie führt eine "Was in London passiert, bleibt auch in London"-Affäre. Sehr erwachsen.

Doch so langsam schafft es Rory, sich aus diesem mächtig unreifen Lebensstil zu befreien. Mit dem Umweg über eine Co-Autoren Stelle für ein Buch, einer Story über Schlangen in New York und eine Website, die sie zunächst unbedingt haben wollen und sie dann doch ablehnen. So landet Rory doch länger als erwartet wieder in Stars Hollow, fliegt noch ein paar mal nach London und stellt dann fest, dass sie Anfang 30, völlig pleite und - noch viel schlimmer - völlig perspektivlos ist. Trotzdem kann die stolze Rory es nicht lassen, jedem Bewohner ihrer Heimatstadt, der sie wieder willkommen heißt, dabei zu widersprechen.

Irgendwann nimmt Rorys Plot jedoch etwas an Fahrt auf: Sie übernimmt den Editor-Posten bei der Stars Hollow Gazette. Was zunächst wie ein schöner Weg zu innerem Frieden aussieht, wird jedoch schnell abgearbeitet und quasi wieder verworfen. Denn Rory wird mit einer neuen Idee konfrontiert, was sie mit ihrer beruflichen Zukunft anfängt - und zwar von keinem geringeren als Jess. Der versteht Rory eben und so enttäuscht es umso mehr, dass es im Prinzip bei dieser kurzen, aber schönen Begegnung der beiden bleibt. Da hat man wohl leider Potential verschenkt.

Die Buch Idee an sich kann man so ambivalent sehen wie diese Fortsetzung: Es hat seine guten Seiten, aber perfekt ist es leider nicht. Dass Rory am Ende faktisch die Serie aufschreibt, die wir sahen, ist auf einer Metaebene zwar rund, wirkt aber nicht gerade revolutionär. Und der Konflikt, der kurz vor Ende dadurch mit Lorelei provoziert wird, war auch unnötig.

Lorelei

Das Beste zum Beginn: Luke und Lorelei sind ein Paar. Und sie bleiben es. Man traut sich auch nicht, ernsthaft daran zu rütteln, auch wenn Emily immer wieder anderes zu wissen glaubt. Außerdem ist es auch immer noch schön zu sehen, wie die beiden miteinander umgehen, wie sie sich durchaus auch missverstehen und sich dann laut streiten. Das macht deren Beziehung aus.

Lorelei geht in diesem Jahr wohl durch das tiefste Tal. Ihre Selbstkrise, Luke unterbuttert zu haben, geht mir jedoch ein Stück zu weit. Schon in der ersten Folge kommt sie auf die abstruse Idee, mit 48 Jahren nochmal Mutter zu werden, da sich Luke das eventuell vor Jahren gewünscht hat. Und selbst wenn der mehrfach sagt, dass alles okay ist und er kein Problem damit hat, dass sie kein gemeinsames Kind haben, glaubt ihm Lorelei nicht. Nicht ganz unschuldig daran ist Loreleis trauernde Mutter Emily. In deren Verzweiflung setzt sie Lorelei immer wieder Zweifel ins Ohr. Und die wird von den Komplexen ihrer Mutter gegenüber aufgefressen. Selten ist die starke "who the fuck cares"-Lorelei zu sehen. Klar wusste Emily immer, wie sie ihre Tochter auf die Palme bringt, aber das hat Lorelei nur selten derart lange mitgenommen.

Loreleis beste Idee war es dann vielleicht auch die Therapie ohne Ihre Mutter fortzusetzen. Doch wie so vieles in dieser Mini-Serie verliert es sich viel zu schnell wieder, wird für irgend einen Gag geopfert (in diesem Fall die singende Therapeutin) und versandet im Nichts um von einem neuen Einfall ersetzt zu werden. Und der heißt bei Lorelei Selbstfindungswandern. "Lorelei ist dann mal weg" oder so ähnlich? Nicht ganz. Wer wirklich dachte, unsere Lorelei würde auch nur einen Meter wandern, der kennt die Gilmore Girls nicht. Dass man es sich allerdings so einfach macht und nach ein paar gescheiterten Anläufen den Blick über die Landschaft als Allheilmittel präsentiert, enttäuschte mich wieder - auch wenn der Wandertrip zwei tolle Cameos mit sich brachte. (Nach Mae Whitman Nummer 2 und 3 aus Lauren Grahams letzter Serie Parenthood)

Am Ende kann Lorelei dem verzweifelten Luke gegenübertreten, noch ein paar Missverständnisse mit ihm austauschen um dann ihr verdientes Happy End  zu bekommen. Eine tolle Szene, die zu meinen Highlights aus der Fortsetzung zählt.

Emily

Mit dem steigenden Alter der Protagonistinnen steigt meines Erachtens nach auch die Qualität ihrer Geschichten. Denn bis ein paar kleine Ausrutscher in die Übertreibung und ein paar Längen, kommt Emilys Weg von "Richards Witwe" zu "Emily Gilmore" am durchdachtesten daher.

Angefangen bei tiefer Trauer und dem Versuch sich allem zu entledigen, was ihr keine Freude bringt, kommt Emily langsam wieder auf den Damm. Sie füllt das Haus mit der Familie ihrer Haushälerin und ist irgendwann zumindest wieder die Emily, die wir alle kennen. Und dann passiert etwas herrliches: Emily blüht auf. Sie bemerkt schließlich, wie scheinheilig ihre DAR-Damen sind, wie unnötig groß das Haus, jetzt wo sie nur noch allein ist, und wie kühl ihr Leben war. Also kauft sie ein Haus am Meer und freut sich, dass im Gergensatz zu ihren Kreditkarten nicht "Mrs. Richard Gilmore" auf der Urkunde steht, sondern "Emily Gilmore".

Zwischenzeitlich zerstreitet sie sich mal wieder mit Lorelei, da diese sich auf Richards Trauerfeier doch etwas daneben benahm. Hier sei der einzige Kritikpunkt, dass der Konflikt generisch wirkte. Hauptsache die beiden streiten sich. Die wahren Beweggründe Loreleis wurden mit Floskeln abgetan. Die stark übertriebenen Anschuldigungen Emilys nahm Lorelei nahezu kampflos hin. Konnte man früher beide Frauen in ihrer jeweiligen Welt verstehen, wurde es hier schwierig. Die Aussöhnung, als Lorelei am Ende durch die Blick in die Landschaft ihren Seelenfrieden wieder findet, ist dann jedoch eine schöne Szene. Emily bedankt sich ehrlich für Loreleis Anruf und man merkt ihr die mitschwingende Vergebung an.

Where the Others Are

Ich habe es oben bereits erwähnt, das Gilmore Girls Revival verstrickt sich bisweilen etwas im Fan-Service. Während der Veronica Mars Film sich dem komplett verschrieb und in einem Reunion-Szenario spielt, hatte Gilmore Girls nicht diesen Auhänger. Genau daran hapert auch der ein oder andere Auftritt eines Charakters. Während die Bewohner von Stars Hollow völlig authentisch allesamt noch vorhanden sind, wird es bei einigen anderen schon schwieriger. So gerät Paris' Rückkehr allzu holprig, ist es nämlich nicht Rory, die sich mit ihrer alten Freundin als erstes trifft, sondern ihre Mutter, die bei Paris im Büro sitzt. Paris ist inzwischen in dem Feld der Leihmutterschaft tätig und betreibt dies genau so, wie man es von Paris erwartet. Erst ein wenig später, als Rory und Paris in Chilton sind (dessen Grund auch äußerst unzulänglich nachvollziehbar erklärt wurde), fühlt sich Paris' Anwesenheit nicht deplatziert an.

Immer gerechtfertigt ist das Vorhandensein von Lane, Rorys bester Freundin. Damit hört es bei ihr aber auch auf. Außer, dass Zach scheinbar in einem Bürojob festhängt und sie sich alle noch zu Proben von Hep Alien treffen, erfahren wir nicht über diesen Teil von Rorys Freunden. Da bekam selbst Paris mit ihrer Scheidung von Doyle und dem damit verbundenen Wiedersehen auch mit ihm reichtich Backstory.

Die anderen Bewohner von Stars Hollow machen das, was sie am besten können und holen so den Charme der Kleinstadt wieder in unsere Wohnzimmer. Kirks Versuche, mit Ooober ("Stop making that Sound!!!") einen Fahrdienst zu etablieren, sind extrem witzig. Taylor darf sich bei Town-Meetings weiterhin in Bürokratie verstricken (A propos, wieso ist er immer noch Bürgermeister?) und Gipsy rät Lorelei mehrfach lautstark sich ein neues Auto zu kaufen.

Hervorgehoben soll auch Michel sein, der Lorelei zunächst nicht von der Seite weicht, wenn es um das Dragonfly Inn geht. Hier ist alles beim Alten - bis auf einen entscheidenden Unterschied: vor zwei Jahren verschwand Sookie scheinbar einfach so um jetzt auf einer Farm irgendwo biologische Pflanzen zu züchten. Nicht nur wäre das eher etwas für Sookies Ehemann Jackson, es ist auch einfach eine schlechte Erklärung für das Fehlen der wichtigsten Bezugsperson von Lorelei nach Rory. Sogar als Jackson kurz auftaucht, verliert man kaum ein Wort darüber, wie das eigentlich mit Sookies Familie funktioniert.
Da muss es für Lorelei eben Michel richten, auch wenn der mit der Größe des Hotels so seine Probleme hat und sich nach etwas prunkvolleren, prestigeträchtigerem sehnt. Kurz bevor er jedoch Lorelei und dem Dragonfly Inn den Rücken kehrt, wird natürlich noch einen Lösung gefunden, mit der alle Leben können. Wenigstens ein paar Feelgood-Lösungen gibt es noch.

Dean ist übrigens auch kurz da. Sehr kurz.

Where We Leave: The Final 4 Words

Rory: "Mom?"
Lorelei: "Yeah?"
Rory: "I'm pregnant."

Bäm. Schluss. Das ist das Ende, das Amy Sherman-Palladino schon immer als den Schluss der Serie geplant hatte. Sicherlich spannt dies perfekt den Bogen zu Loreleis Geschichte und der Tatsache, dass sie irgendwann genau diese Worte auch ihrer Mutter sagte. Auf der anderen Seite haben wir als mögliche Väter einen Wookie oder Logan Huntzberger. Letzterer schreckt mich zwar grundsätzlich nicht ab, ist jedoch in der gezeigten Konstellation wohl nicht gerade der Wunschkandidat der Fans. Vielleicht ist auch das die Parallele zu Lorelei, quasi ein zweiter Christopher. Passend dazu wurde Jess auch als Rorys Luke kurz vor Ende ins Spiel gebracht. Also geht der Kreislauf jetzt wieder von vorne los? So zufrieden ich damit war, dass Jess wohl doch wieder in Frage kommt, so unvollständig fühlte es sich an, als er durch das Fenster zu Rory blickte.

Fazit

Das bringt mich genau an den Punkt, der diese gesamte Fortsetzung ausmacht: Unvollständigkeit. Nichts wird so richtig ausfüllend zu Ende erzählt, nichts fühlt sich vollständig so an, wie man es aus der Ursprungsserie kannte. Und so passt es auch, dass man eben weder vollständig enttäuscht vom Sequel ist noch vollständig begeistert. Selbst der Humor hinterlässt streckenweise einen faden Beigeschmack. Denn hin und wieder rutscht er ins lächerlioche ab, wirkt zu gewollt. Einige Slapstick Einlagen haben auch Fremdschäm-Potential. Gepaart werden diese mit Momenten starker Dialoge und unterschwelligen Anspielungen sowie gerade heraus witzigen Sprüchen.

Das Bild bleibt ambivalent: Ich finde es bei weitem nicht schlecht, dass diese Folgen existieren, sie haben durchaus Spaß gemacht. Aber so richtig perfekt war dieses Erlebnis nicht. Das Wiedersehen war angenehm, mehr aber auch nicht. Mal sehen, ob wir uns diesmal wirklich von den Gilmore Girls verabschiedet haben...

Achso...ich hab ja Paul ganz vergessen?!?!

Freitag, 15. Januar 2016

Magically Popping Up: Drei frische Fantasy-Projekte im Schnellcheck

Nachdem in den letzten Jahren erst Vampire und dann Zombies Hochkonjunktur hatten, beweist Game of Thrones ab April in seiner sechsten Staffel, dass auch Fantasy eine breite Zuschauerschaft finden kann. Fast schon synchron starten derzeit einige weitere Fantasy-Projekte. Dabei halten sich die großen Networks, die momentan im Comic-Fieber sind, allerdings zurück und überlassen eher kleinen Sendern diesen Mini-Boom.

Und so ist es Syfy, das noch Ende 2015 eine Vorpremiere von The Magicians zeigte und damit seinem Namen alle Ehre machte. Das ehemalige ABC Family (Pretty Little Liars, Greek) heißt jetzt Freeform und startete mit Shadowhunters eine Serie, in der es quasi alles gibt. Und MTV, ja dieses ehemalige Musikfernsehen, kommt mit der wohl ambitioniertesten Serie in Form von The Shannara Chronicles daher.

The Magicians (Syfy)

Worum es geht
Harry Potter in Erwachsen? So oder so ähnlich könnte man die Prämisse der Serie bezeichnen, denn Hobbyzauberer Quentin wird durch einige "Fügungen" zum Aufnahmetest in eine Schule für Magie gelotst. Mit dabei ist auch seine beste Freundin Julia. Während Quentin den Test ohne Probleme besteht, schafft Julia diesen nicht und soll ihrer Erinnerung daran beraubt wieder in die normale Welt geschickt werden. Durch einen Trick gelingt es ihr jedoch, dies zu verhindern.

Währendessen taucht Quentin in die Welt der Magie ein, lernt über verschiedene Arten und versteht, dass es durchaus harte Arbeit wird. Mehrere ominöse Begebenheiten deuten zudem an, dass darüber hinaus weitere Prüfungen bevorstehen - und das Ende lässt uns mit einem massiven Cliffhanger zurück.

Wie es war
Etwas hölzern tauchen wir in die Welt der Magie ein, finden kaum Bezug zu den Charakteren. Das klingt erst mal vernichtend, doch so schlimm ist es nicht. Dem Zuschauer wird zumindest sehr gut vermittelt, wie sich Quentin wohl fühlen mag. Außerdem zeigt man uns tolle Animationen der magischen Fähigkeiten und bislang eine stimmige Mythologie.

Einzig die Richtung, die die Serie jetzt nehmen wird, scheint nach dem Ende offen. Und das wiederrum ist auch das spannende. Denn unser "Held" Quentin wird nicht von einem weisen Beschützer an die Hand genommen, sondern wird wohl allein zurechtkommen müssen. Und so steht am Ende eine mittelmäßige Pilot-Folge, die durch ihr spannendes Ende aufgewertet wird und zum weiteren Einschalten bewegt.

Shadowhunters (Freeform f.k.a. ABC Family)

Worum es geht
An Clarys 18. Geburtstag passieren ihr allerhand unerklärliche Dinge, ihre Mutter verhält sich komisch und zu guter Letzt wird sie Zeuge eines übernatürlichen Massakers. Völlig überfordert, erklärt ihr ihre Mutter endlich, was los ist. Sie stahl einst ein wichtiges Artefakt und wurde von nun an verfolgt. Endlich sicher versteckt, entscheidet sie sich, ihre Tochter zu schützen und ihr bist zum 18. Geburtstag ihre Kräfte zu nehmen.

Es kommt, wie es kommen muss: Die Bösewichte finden Clary und ihre Mutter, die beiden werden getrennt. Während ihre Mutter sich in den Händen der Verfolger befindet, trifft Clary wieder auf die sogenannten Shadowhunters, die die Welt der Menschen frei von Dämonen halten. Jace, Alec und Isabelle nehmen Clary (zum Teil eher widerwillig) unter ihre Fittiche, da Jace mehr in ihr sieht. Und so beginnt die Suche nach Clarys Mutter und der Kampf gegen Dämonen und andere Monster.

Wie es war
Ganz abgesehen von der Fantasy-Prämisse, steht Shadowhunters eher auf der Comic-Seite. Clary findet ihre Kräfte und steht von nun an zwischen ihren menschlichen Freunden und ihren übernatürlichen Kumpanen. Das muss nichts schlechtes sein, doch der Plot ist dahingehend überschaubar. Die Shadowhunter sind interessant gestaltet und ausreichend mysteriös. Außerdem werden einige Figuren nur angeteast, die eventuell noch interessant werden, um die Mythologie der Serie zu ergründen.

Insgesamt wirkt die Serie einfacher gestrickt, allerdings fällt das nur selten auf, da sie trotzdem spannend ist. Mehrfach entsteht die Frage, ob eine Figur nun tot ist oder nicht. Das trägt auf jeden Fall dazu bei. Die düstere Grundstimmung ist sehr gut getroffen, es ist quasi ständig dunkel oder es regnet sogar.

Die Effekte gehen in Ordnung, die Optik ist nicht phänomenal, aber durchaus sehenswert. (Once Upon a Time und Supergirl zeigen zum Teil sehr deutlich, dass es wesentlich schlechter geht) Einziges großes Manko: Die schauspielerische Leistung von Clary-Darstellerin Katherine McNamara muss sich noch steigern. Ihre viel zu mädchenhafte, naive Art passt nicht zum Grundton der Serie, ihre Rolle ist auch eigentlich gar nicht so ausgelegt. Auch ansonsten ist das Äußerliche der Darsteller eher Besetzungsgrund gewesen als das Schauspieltalent, aber sei's drum, die Serie bewirbt sich sicherlich nicht um Emmys oder der Gleichen. Einschalten werde ich trotzdem weiter, das Grundgerüst ist zunächst interessant, Potenzial ist also vorhanden.

The Shannara Chronicles (MTV)

Worum es geht
Die Elfen-Prinzessin Amberle wird überraschend Teil der Auserwählten, die den sagenumwobenen Baum Ellcrys beschützen. Sie hat Visionen von einer dunklen Zukunft, in der Dämonen die Welt zerstört haben. Wie sich bald herausstellt, stirbt Ellcrys langsam aber sicher und mit jedem Blatt, dass er verliert, wird ein Dämon in die Welt gesetzt.

Zur selben Zeit stirbt Wills Mutter und er beschließt, seine Heimat zu verlassen. Er bekommt sogenannten Elfensteine mit auf den Weg, die ihm allerdings gestohlen werden. Er trifft auf den Druiden Allanon, der nach Jahrzehnten wieder erwacht ist und nun versucht gemeinsam mit dem Elfenkönig Eventine (John Rhys-Davies, Zwerg Gimli aus Der Herr der Ringe) die Welt zu retten. Er eröffnet Will, dass sein Vater einst ein großer Elfenkrieger war und einen großen Teil zur Beendigung des letzten großen Krieges beitrug - unter Nutzung von Magie. Und so begeben sie sich auf die Suche nach Amberle, die nach ihrer Vision floh. Nachdem einer der frei gewordenen Dämonen sechs der sieben Auserwählten tötete, ist sie die Einzige, die Ellcrys noch beschützen kann.

Wie es war
MTV hat es geschafft, eine einzigartige Welt in einem völlig eigenen Kosmos auf die Mattscheibe zu zaubern. Denn ähnlich wie Game of Thrones und anders als die beiden anderen hier besprochenen Serien, spielt The Shannara Chronicles in einer völlig eigenen Welt. Und das kostet die Serie mit tollen Bildern, atemberaubenden Kamerafahrten und tollen, differenzierten Sets auch aus.

Die Mythologie der Serie ist stimmig, die Charakterbeziehungen teilweise sehr verwoben. Es macht Spaß sich in dieser Welt einzufinden. Dabei spart MTV nicht an nackter Haut und brutalen Kampfszenen. Kein GoT-Level, aber durchaus beachtlich.

Außerdem kommt eine Art Rollenspiel-Gefühl auf, wenn sich unsere Helden in ihre Quests in eine uns unbekannte Welt stürzen. Die Mischung aus für alle Unbekanntem und Einführung einzelner Charaktere in ihre eigentliche Welt ist hier gelungen, spielt sich kaum nach Schema F ab. Alles fühlt sich monumentaler an, was natürlich von eben erwähnter optischer Gestaltung unterstützt wird.

Fazit
Fluch oder Segen? Wie immer lässt sich das nicht eindeutig sagen. Die beiden ersteren Serien haben Potenzial, wenn sie das nicht verspielen, könnte auch hier durchaus etwas tolles draus werden. Shadowhunters ist in diesem Dreiergespann das schwächste Glied, sicher auch aufgrund der anvisierten Zielgruppe des Senders und der damit verbundenen weniger intensiven Gestaltung.

Als momentaner Sieger geht für mich The Shannara Chronicles hervor, dass durch seine Welt und eine Fokussierung auf mehrere Charaktere besticht. Gesagt werden muss allerdings, dass die Serie auch die doppelte Zeit hatte, um ihre Einführungsgeschichte zu erzählen, da sie mit einer Doppelfolge startete.

Fest steht, dass es für den geneigten Fantasy-Fan, zu denen ich mich zähle, durchaus positiv zu bewerten ist, solche Serienprojekte realisiert zu sehen. Und dann kann man getrost auch auf einen Fehlgriff verzichten. Momentan bleibe ich bei allen drei Serien am Ball.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Jahresrückblick eines Serienjunkies 2015

Beste neue Drama-Serie 2015
Quantico - Agentenserie rund einen Terroranschlag: Spannend, sexy und voller Twists.
Empire - Der Quotenhit des Jahres mit Soap-liken Stories, viel Musik und Bling-Bling.

Beste neue Comedy-Serie 2015
Galavant - Sangesfreuden mit allerhand Selbstironie im Mittelaltersetting. Macht einfach Spaß
Unbreakable Kimmy Schmidt - Tina Fey did it again! Kimmy im Großstadtdschungel ist einfach superwitzig!

Beste alte Drama-Serie
The Good Wife (CBS) - Auch im siebten Jahr noch hervorragend. Für mich einfach konkurrenzlos.

Beste alte Comedy-Serie
Brooklyn Nine-Nine - Die Cop-Comedy mit Andy Samberg ist einfach zum Schießen komisch, vor allem weil sie so herrlich originell ist.

Guilty-Pleasure-Serie 2015
Faking It - Schon mehrfach von mir gelobt, einfach eine Serie zum Gutfühlen und Lachen.

Größte Enttäuschung 2015
Absetzung Looking - Leider war es für die drei schwulen Jungs nach zwei Staffeln vorbei, der abschließende Film kommt laut HBO im Frühjahr.

Größte Überraschung 2015
Nach Absetzung durch FOX übernimmt Hulu The Mindy Project - und bereitet mir damit eine große Freude.

Gilmore Girls wird von Netflix fortgesetzt!

Bestes Serienpaar 2015
Jimmy und Gretchen (You're the Worst) - Ein Chaospaar ohnegleichen. Es macht einfach Spaß den beiden in ihrer Welt zuzusehen.

WTF-Moment 2015
Cersei Lannister läuft splitternackt durch die Straßen von King's Landing, wird dabei mit allerlei Dingen beworfen und von ständigen "Shame!"-Rufen begleitet.

Bestes Serienfinale 2015
Drei mir sehr liebe Serien verabschiedeten sich dieses Jahr geplant und entsprechend gebührend: Parenthood rührte noch einmal zu Tränen, Cougar Town regte ein letztes Mal zum Lachen und Weintrinken an und auch das Kostümdrama Downton Abbey zeigte seine letzte (reguläre) Folge. (Am 25.12. läuft dann mit dem Christmas-Special das große Finale)

Bester Schauspieler 2015
Jonathan Groff (Patrick, Looking; Frozen; Glee)
Andy Samberg (Jake, Brooklyn Nine-Nine)
Peter Dinklage (Tyrion Lannister, Game of Thrones)

Beste Schauspielerin 2015
Wie immer: Julianna Margulies (Alicia Florrick, The Good Wife)
Viola Davis (Annaliese Keating, HTGAWM)
Mindy Kaling (Mindy Lahiri, The Mindy Project)

Beste Nebendarsteller 2015
Michael J. Willet (Shane, Faking It)
Andre Braugher (Cpt. Ray Holt, Brooklyn Nine-Nine)
Christine Baranski (Diane Lockhart, The Good Wife)

Neue Lieblingsfiguren 2015
Peggy Carter (Marvel's Agent Carter)
Cookie Lyon (Empire)

Alte Lieblingsfiguren
Mindy Kaling (The Mindy Project)
Phil Dunphy (Modern Family)

Traurigster Serienmoment 2015
Ein stark verbrannter Feuerwehrmann gibt den Ärzten Anweisung, erst seine Kameraden zu behandeln, dann ihn. Wie sich herausstellt wissen sowohl die Ärzte als auch er, dass er es nicht überleben wird und so sichert er durch diese Geste seinen Kameraden eine schnellere Behandlung zu. In den Armen seiner Frau stirbt er schließlich.

Bemerkenswertester Abschied 2015
Etwas komisch mutete die Episode mit Dereks Tod leider an, erst das Ende ist schaurig schön: Derek weiß, was mit ihm geschieht, analysiert aus dem Off seine Situation, seine Überlebenschancen und die nötigen Behandlungen. Und so merkt er auch früh, dass er falsch behandelt wird und sterben wird.

Beste Neuentdeckung 2015
Undateable und You're the Worst - Zwei sehr witzige Comedies, die auf ihre Art originell sind und jeweils einen starken Cast zu bieten haben.

Auffälliges Merkmal 2015
Quotenrückgang/Der Siegeszug von Netflix - Netflix verdoppelt die Anzahl seiner Serienprojekte für 2016 im Vergleich zu 2015, die Bandbreite reicht dann vom Marvel-Comic (Jessica Jones, Luke Cage) über Revivals (Gilmore Girls, Fuller House) bis hin zu anderem Eigenständigem Material. Währenddessen sind die Quoten im regulären TV im Dauer-Sinkflug. Trotz Hits wie TBBT oder Empire geht das Zuschauerinteresse genau zu einer bestimmten Zeit einzuschalten spürbar zurück.

Nervigste Storylines 2015
Madam Secretary (CBS) - Die Story um Henrys Verwicklungen bei der CIA und die Rekrutierung eines russischen Soldaten. Alles ziemlich sinnlos und ohne Bezug. Dazu leider viel zu stereotyp gezeichnet um es ernst zu nehmen.

Bestes Online-Video 2015
Ganz klar: #IchHabPolizei von keinem Geringeren als Jan Böhmermann




Beste Szene 2015
The Good Wife, S07E10 "KSR": Alicias Blick, als Eli ihr erzählt, dass er einst Wills Liebesgeständnis von ihrer Mailbox löschte. Dann die Hand, die seinen Drink wegzieht und dann ein bestimmtes "Get out!" - Wahnsinn!

Größte Vorfreude für 2016
Looking Abschluss-Special
Game of Thrones, Staffel 6
Midseason-Starts: The Catch, Lucifer, The Real O'Neals
Gilmore Girls Sequel

Sonntag, 6. Dezember 2015

Krimi no more - Wie ein DDR-Spion und rote Bänder die deutsche Serie retten

In meiner letzten Analyse (Alles Krimi, oder was?) zu deutschen Serien rief ich laut nach Genre-Serien oder sonstigem kreativen Serienmaterial aus deutscher Produktion. Das ist über ein Jahr her. Und als ob meine Rufe erhört wurden, hat sich in diesem Jahr etwas getan.

Zu aller Überraschung sind es RTL und Tochtersender VOX, die einen bedeutenden Beitrag zur Umgestaltung der deutschen Fernsehserie liefern. Auf höchst unterschiedliche Weise gehen es die beiden Produktionen an, das Ergebnis ist beide Male stimmig und äußerst unterhaltsam.

Club der roten Bänder

Polseres vermelles von Albert Espinosa diente als Vorlage für diese Krankenhausserie rund um eine Gruppe jugendlicher Patienten. Die Geschichte basiert auf den Erfahrungen des Autors, als er selbst lange Zeit auf der Jugendstation verbrachte. Die Charaktere sind aus vielen verschiedenen Menschen komprimiert, wirken dadurch echt, allerdings nie überfrachtet.

In den USA ging letztes Jahr die Serie Red Band Society (der Titel in Anlehnung an "Dead Poet's Society") an den Start und konnte mich bereits überzeugen. (Bitte wieder einschalten!) Leider schaffte es die Serie nicht, ein breites Publikum zu begeistern und wurde nach nur 13 Episoden abgesetzt. Daher war ich zunächst auch skeptisch, ob es eine gute Idee ist, diesen Stoff in Deutschland zu Adaptieren. Aber siehe da, das Ergebnis ist schlichtweg toll: Die Serie ist qualitativ hochwertig, überzeugt auf emotionaler Ebene, schreckt auch vor schweren Entscheidungen nicht zurück und ist - und das ist leider das allerwichtigste - ein Quotenerfolg für VOX. Damit bringt die erste Eigenproduktion des Senders nicht nur Kritikerlob, sondern auch waschechten Erfolg.

Worum es geht

Leo, ein Knochenkrebspatient, dem ein Unterschenkel amputiert wurde, bekommt einen neuen Zimmergenossen, der auch ein Leidensgenosse ist: Jonas soll am nächsten Tag der Fuß amputiert werden. Leo überredet Jonas zu einer Bein-Abschiedsparty, zu der Leo auch Emma einlädt, ein magersüchtiges Mädchen, das ebenfalls im Krankenhaus stationiert ist.

Parallel dazu kommt der arrogante Alex mit Herzproblemen in das Bett neben dem im Koma liegenden Hugo. Als sich der geistig behinderte Toni beide Beine bricht, landet auch er im Krankenhaus - und kann sich mit Hugo verständigen. Die anderen Treffen den komatösen Jungen bei ihren OPs respektive Zusammenbrüchen in einer Art Zwischenwelt. Damit ist der Club der roten Bänder komplett und es stehen diverse witzige, aber auch ernste Abenteuer im Krankenhaus an.

Warum die Serie sehenswert ist

Im Gegensatz zur amerikanischen Adaption verzichtet die deutsche auf zu viel Ballast. Die erwachsenen Charaktere (Ärzte, Eltern, Krankenschwestern) nehmen deutlich weniger Raum ein, das schafft Platz um die Beziehung der Jugendlichen untereinander stärker aufzubauen. Damit einher geht der Verzicht auf unnötiges Liebes-/Lebensdrama von außerhalb des Krankenhauses. Der Fokus liegt auch hier auf den Patieten und wie diese sich gegenseitig Halt geben. Und zu guter letzt sind die Annäherungen zwischen Jonas/Leo/Emma deutlich subtiler als in der US-Serie.

Auch sonst punktet die Serie. Gute Musikauswahl, schöne Inszenierungen von emotionalen Momenten und gelunge Performances der Jungschauspieler greifen ineinander. Und so entsteht trotz des Krankenhaussettings eine angenehme Atmosphäre. Einzig die Dialoge mit den Ärzten bleiben oft zu schwammig, zu unkonkret und oberflächlich. ("Hör auf damit, du bist hier um gesund zu werden!")


Deutschland 83

Seit Monaten in aller Munde, endlich auch bei uns: Deutschland 83, das international gelobte RTL-Serienprojekt. Inzwischen schon in den USA ausgestrahlt (eine absolute Seltenheit, dass ein US-Sender so erpicht auf die Ausstrahlung einer deutschen Serie ist), dürfen auch endlich wir Deutschen die Serie genießen. Spannend, unfreiwillig komisch und kulturell treffsicher zeigt sich die Spionage-Serie. Ob RTL mit den hiesigen Quoten zufrieden ist? Wohl kaum. Der internationale Erfolg gibt wohl aber zu hoffen, dass es weiter geht, dann mit Deutschland 86.

Worum es geht

Die Fronten im Kalten Krieg verhärten sich im Krisenjahr 1983, die DDR befürchtet einen US-Angriff auf ihr Territorium. Höchste Zeit, Informationen vom Klassenfeind zu erspähen. Martin, Grenzsoldat in der DDR, hat eine kranke Mutter, die nur über Beziehungen an eine Spenderniere kommt. Deren Schwester Lenora ist zwar bei der HVA, doch nur wenn sie Martin als Spion in den Westen schickt, kann sie ihrer Schwester helfen, so gibt sie vor. Also wird Martin als Oberleutnant Moritz Stamm in die Bundeswehr eingeschleust um Informationen zu sammeln. Aus der versprochenen, einmaligen Aktion wird unter Lenoras Druck ein längerer Einsatz.

Warum die Serie sehenswert ist

Neben den durchweg sehr guten Darstellerleistungen, treten zwei Dinge besonders hervor: Zum Einen ist es die liebevolle Ausstaffierung der Sets im Stil der 80er Jahre mit entsprechendem Soundtrack. Zum Anderen ist es die Tatsache, dass die Ost-West-Problematik sehr differenziert thematisiert wird und keine schwarz-weiß-Malerei betrieben wird, die eine Seite zum Buhmann macht. (Gut, vielleicht mal abgesehen von den kaltblütigen Methoden einiger Spione) Des Weiteren zeigt man Zweifel und ein breites Meinungsbild der Charaktere und untersucht zuweilen auch deren Beweggründe. Die Figurenkonstellation ist somit konfliktreich und inhomogen.

Dabei ist Deutschland 83 keine Dokumentation, sondern Fiktion. Und das wird an manchen Stellen auch sehr deutlich. Aber gerade das macht es für mich umso interessanter, da man so eine gewisse Distanz zur Geschichte der BRD/DDR wahrt und diese trotzdem gekonnt nutzt um eine spannende, interessante Story zu erzählen.

Fazit

Ich möchte noch nicht von der ultimativen Wende in der deutschen Serienlandschaft sprechen, doch der Anfang ist gemacht. Inhaltlich interessant, top besetzt, optisch hochwertig. Der Erfolg gibt beiden Serien recht, die Kritiker sprechen nicht zu unrecht in hohen Tönen von ihnen. Einzig die Programmierung in Doppelfolgen und das auch damit verbundene, lange Warten auf neue Staffeln, könnte zum Problem werden. VOX plant die zweite Staffel von Club der roten Bänder für Spätherbst 2016 ein, während man heuer die 10 Folgen in 5 Wochen versendet. Ähnlich wird es auch Deutschland 86 gehen, falls RTL die Serie verlängert.

Trotzdem sind beide Serien absolut sehenswert und damit ein Gewinn für hiesige Produktionen. Es lebe die deutsche Serie!

Sonntag, 18. Oktober 2015

Underappreciated, Underestimated, Underwatched - Geheimtipps

Nach langer, hitzebedingter Abstinenz melde ich mich zurück!

Diesmal soll es um ein paar unterschätzte Serien gehen, die etwa unkonventionell sind oder belächelt werden, allerdings bei genauerem Hinsehen einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

Undateable (seit 2014)

Die Geschichte von Undateable ist kurz erzählt: Danny sucht einen neuen Mitbewohner und findet bald Justin, den Besitzer einer Bar. Das ungleiche Paar - Manwhore Danny und Romantikfreak Justin - wird um Dannys Schwester und Justins Kumpels ergänzt. Fortan spielt sich alles in Justins Bar ab. Bis hierher eine recht bekannte Konstellation. Doch als die Quoten der Serie immer weniger den Erwartungen vom ausstrahlenden Sender NBC entsprachen, entschied man, kurz vor Ende der zweiten Staffel eine LIVE-Episode zu zeigen - und das brachte die Veränderung, die Undateable schlussendlich einzigartig macht (zumindest dieser Tage).

TV's Scott Foley

Mit unglaublich viel Kreativität und Liebe gestalteten die Macher die Live-Episode. Der sonst schon gute Cast lief zu Hochtouren auf und man ließ es sich nicht nehmen eine Reihe von TV-Stars vorbeischauen zu lassen. Quasi der komplette Scrubs-Cast (Zach Braff, Neil Flynn, Donald Faison, Christa Miller) schaute vorbei, dazu kamen Kate Walsh, Minnie Driver und natürlich Scott Foley. Ed Sheeran lieferte eine Live-Performance ab und küsste (zumindest in der Ausstrahlung an der West-Coast) Hauptdarsteller Brent Morin völlig unvermittelt.

If I Were a TV Character, I'd Have a Catch Phrase

NBC entschied, dass die komplette dritte Staffel aus Live-Episoden bestehen wird. In anderen Serien (allen voran 30Rock) gibt es diese auch, eine ganze Staffel jedoch nie. Die Kritiker sind sich uneins, die Zuschauer auch. Ich allerdings empfinde den Schritt bisher als richtige Entscheidung, zumindest gewinnt die Serie ungemein an Charme und Originalität. Den Schauspielern macht es auffällig viel Spaß und die Autoren spielen gekonnt mit dem Vorteil, Live zu sein. So berichtete Shelly in der ersten Folge der dritten Staffel den Plot der zuvor auf FOX ausgestrahlten, neusten Folge Empire. Ob die Serie interessant bleibt, obwohl sie nun sehr beschränkte Handlungsorte hat, und ob es sich gelohnt hat, auf LIVE umzustellen, muss sich noch zeigen. Doch mir macht die Serie (die ich erst kürzlich entdeckt habe) mehr Spaß als zuvor.

Faking It (seit 2014)

Ich ließ es bereits in anderen Einträgen anklingen, aus dem anfangs belächelten Faking It ist eine Serie mit sehr viel Herz geworden, die sich nicht scheut, allerhand Minderheiten abzubilden. Auf den ersten Blick stehen zwar die doch typisch jugendlichen Themen um erste Liebe, Sex und Beliebtsein in der High School im Vordergrund, doch die Macher verpassen keine Chance, subtil Toleranz, Akzeptanz und vor allem Normalität im Umgang mit Minderheiten aller Art zu vermitteln.

Being Different Is What Makes You Cool

Angefangen beim heutzutage fast schon obligatorischen Schwulen, ist es zu Anfang vor allem die Tatsache, dass zwei Mädchen so tun als ob sie ein Pärchen - und damit lesbisch -  wären um cool zu sein, die zeigt, dass an dieser High School alles anders ist. Zunächst wirkt alles etwas befremdlich - die Idealvorstellung unserer Gesellschaft auf eine amerikanische High School projiziert? Doch mit der Zeit gewinnt diese Vorstellung mehr und mehr das Vertrauen der Zuschauer. Ganz offen sprechen die Jugendlichen ihre Ängste auf dem Weg zum Erwachsenwerden und der sexuellen Findung aus. Und als ob das nicht genug wäre, werden in Hester (der Name der High School) auch Rollstuhlfahrer und Kleinwüchsige völlig inkludiert, Mädchen stehen völlig normal mit Kopftuch im Gang der Schule. Später entpuppt sich eine Hauptfigur als intersexuell, ein Thema das so gut wie nie irgendwo angesprochen wird.

Alles in allem macht Faking It allerdings Spaß, weil es unglaublich witzig ist und gleichzeitig auch auf emotionaler Ebene punktet. Dass dabei der Gedanke der Gleichheit aller Menschen so sehr im Mittelpunkt steht, indem es eben nie besprochen wird aber trotzdem allgegenwärtig ist, macht aus der Teenie-Serie eine Wohlfühlserie mit Seltenheitscharakter.

Avatar - The Last Airbender (2005 - 2008)
(zu dt.: "Avatar - Der Herr der Elemente)

Wenn man als Erwachsener sagt, dass man einen amerikanischen Anime schaut, erntet man schon mal schiefe Blicke, gerade wenn dieser zunächst für Kinder gemacht scheint und auf Nickelodeon läuft. Doch in Avatar steckt noch so viel mehr.

Zum Einen eine in sich logische Mythologie, die in der Serie fortwährend ergründet wird, zum Anderen Charaktere im Kindes-/Jugendalter, die aus verschiedenen Gründen früh erwachsen werden mussten/müssen und daher entsprechend vielschichtig gezeichnet sind. Dadurch wird aus der Kinderserie für den geneigten Zuschauer schnell eine rasante Fantasyserie mit allem, was das Herz begehrt: Übersinnlichen Fähigkeiten, einer fantastischen Tierwelt, kulturell vielfältig gestalteten Ländern und Bewohnern sowie einer abenteuerlichen Reise mit einem Ziel: Die Beendigung eines 100 Jahre währenden Kriegs.

Dabei gelingt es den Machern diese Reise auf ingesamt drei Staffeln auszudehnen, ohne dass es langweilig wird. Die Lektionen, die die Gaang (Gang + Aang, der Name des Avatars) macht, sind allesamt wichtig für die Entwicklung und den Ausgang der Geschichte. Zudem begeistern mich die Zeichner der Serie mit schnellen Kämpfen, tollen Effekten und detaillierten Schauplätzen.

Die Fortsetzung der Serie 70 Jahre in der Zukunft darf zwar durchaus als gelungen erachtet werden, jedoch lässt sie den Charme und den Witz des Originals teilweise vermissen und führt die Mythologie meiner Ansicht nach etwas zu weit.

Cougar Town (2009 - 2015)

Zugegeben, die Prämisse klang etwas an den Haaren herbeigezogen, doch der Name Courteney Cox erregte meine Aufmerksamkeit. Sie sollte Jules darstellen, die nach ihrer Scheidung mit Anfang 40 noch mitten im Leben steht und dem Auszug ihres fast erwachsenen Sohnes entgegen blickt. Jules besann sich daher darauf, einen viel jüngeren, gut aussehenden Typen an Land zu ziehen. Doch schnell stellte sich heraus, dass die Serie immer mehr zur Ensemble-Serie reift als zunächst geplant. Und bald datete Jules wieder in ihrem eigenen Altersbereich.

Change Approved!

Fortan machten sich die Macher über den Titel der Serie lustig, da er nun irgendwie nicht mehr passte. Es war sogar in Planung, die Serie umzubenennen. Doch dazu kam es in insgesamt sechs Staffeln nie und so wurden die Witze über den Titel der Serie auf dem Title-Screen zum willkommenen Usus.

Angst machte sich zwischenzeitlich unter den Fans breit, als ABC die Serie nach drei Staffeln absetzen wollte. Doch TBS rettete Cougar Town und produzierte insgesamt noch drei weitere Staffeln. Eine gar nicht so seltene, trotzdem aber besondere Wendung. TBS machte das wohl typischste Merkmal der Serie - der exzessive Genuss von Wein zu jedweder Tageszeit - von nun an zum Werbeslogan. Und auch die Serie spielt damit ausreichend. Mehreren Trauerfeiern für eines der besonders großen Weingläser (Füllmenge: eine komplette Flasche Wein) von Jules dürfen wir beiwohnen, ein Versuch von Jules ohne Wein auszukommen scheitert kläglich und am Ende der Serie eröffnet ihr Sohn einen Wein-Bringdienst, damit niemand ohne Wein sein muss, wenn er es nicht will. Und auch sonst mangelt es nicht an Running Gags in der Serie.

Darüber hinaus baut die Serie auf ihre bizarren Charaktere und deren klasse Darsteller. Dass sowohl ein paar Friends-Kollegen von Frau Cox vorbeischauen als auch Teile des Scrubs-Casts (Bill Lawrences voriger Serie) kommt da natürlich noch als I-Tüpfelchen dazu.



Randbemerkung: Der deutsche Untertitel ("40 ist das neue 20") ist sowas von unterirdisch, dass sogar der Originaltitel daneben glücklich gewählt erscheint.

Fazit

Brauche ich hier ein Fazit? Ja, irgendwie schon. Klar, Hits wie The Big Bang Theory und Grey's Anatomy (um zwei Beispiele zu nennen) sind sicherlich nicht ohne Grund Hits. Doch auch kleinere Brötchen können schmecken. Soll heißen: Der Blick über den Tellerrand lohnt sich. Und nur, weil alle anderen eine Serie gucken, muss diese nicht gut sein, was natürlich eben auch genau andersherum gilt. Ich habe hier ein paar kleine, aber feine Serien aufgelistet, die Spaß machen und irgendwie besonders sind, ohne jemals Überflieger gewesen zu sein.

Dienstag, 12. Mai 2015

Hello Goodbye - Eindrücke von den Upfronts

Was dieser Tage in den USA in Sachen Network-TV passiert, ist für den gemeinen Teutonen unbekanntes Territorium. Denn momentan verkünden die fünf großen Networks (also die Sender, die jedem US-Amerikaner über die Regionalsender - sog. Affiliates - kostenlos empfänglich sind) ihr neues Programm. Und da geht es schon mal richtig zur Sache mit Fan-Herzen. Denn noch bevor im Herbst eine ganze Armada neuer Serien auf den Zuschauer treffen, müssen sich viele Fans zunächst von einigen ihrer Lieblingsserien trennen.

Ich werde hier einmal meinen persönlichen Upfront-Eindruck kundtun und mich hier und da freuen, aber auch schmerzlich auf Wiedersehen sagen. Und einen kleinen Ausblick auf die neuen Serien gönne ich mir ebenfalls.

Ab Herbst wieder im TV
(ein Auszug)

Ohne Frage wiedersehen werden wir unsere Lieblingsnerds von TBBT, die schon letztes Jahr bis zur 10. Staffel verlängert wurden, selbst wenn auch hier langsam aber sicher der Zenit überschritten scheint. Ein veritabler Hit ist die Show trotzdem noch.

Ganz anders sah es bei einem anderen Urgestein aus: Grey's Anatomy stand zwar nicht direkt auf der Kippe, jedoch gab es durchaus Gedanken daran, dass es hier irgendwann auch einmal vorbei sein wird. Vielleicht nach der jetzt bestellten zwölften Staffel, wenn unter Anderem Ellen Pompeos Vertrag ausläuft. Überhaupt ist der gesamte ABC-Donnerstag weiter: Scandal mit Kerry Washington und How to Get Away with Murder mit Viola Davis kehren jeweils für neue Staffeln zurück.

Die für mich beste Nachricht: Mein geliebtes The Good Wife wird es auch in der siebten Staffel geben. Nach einer weiteren unglaublich starken Staffel hoffe ich nun auf ein rundes Ende, denn die Kings planten angeblich von Anfang an mit sieben Staffeln. Madam Secretary, das am Sonntag gemeinsam mit TGW läuft, wurde bereits vorab für eine zweite Staffel verlängert.

Verlängert ist natürlich auch der Megahit der Midseason: Empire darf sich über eine diesmal 18teilige Staffel freuen. Ein weiterer Midseason-Hit ist auch weiter: The Odd Couple mit Matthew Perry (Friends).

A propos Musikserien: Das durchaus frische (und quotenschwache) Galavant hat es ebenso zu einer weiteren Staffel gebracht, wie die Country-Damen Hayden Panettiere und Connie Britton in Nashville. Letztes dürfte wohl nach Staffel vier ein ähnliches Schicksal ereilen, wie Revenge: 88 Episoden = Syndikation, Absetzung.

Ob es der früh notwendigen Entscheidung geschuldet ist oder doch der Tasache, New Girl zur langlebigsten nicht-animierten FOX-Comedy zu machen sei dahingestellt, fest steht: Jess und ihre WG werden auch in der Season 2015/16 wieder am Start sein. Allerdings erst zur Midseason, denn Zoey Deschanel ist schwanger und macht ersteinmal Baby-Pause.

Erstaunlich ist auch, dass die Superhelden des DC- und Marvel-Universums erfolgreich umher retten. Denn sowohl Arrow und The Flash auf The CW sind eine Runde weiter, als auch Gotham (FOX) und Marvels Agents of S.H.I.E.L.D. (ABC), selbst Peggy Carter darf trotz geringer Quoten nächste Season weiter in den 1940ern ermitteln. Einziger Verlierer: Constantine auf NBC.

Achja, zum Schluss noch die wichtigste Nachricht für Simpsons-Fans: Staffel 27 und 28 sind von FOX geordert. Einfach nur WOW!

Byebye

Wie jedes Jahr gibt es neben den schon während der Season abgesetzten Neustarts auch ein paar langlebigere Serien, die sich verabschieden müssen. Dazu gehört in diesem Jahr auch ein Veteran der Crime-Procedurals: Das CSI-Mutterschiff muss nach 15 Staffeln weichen, einzig übrig bleibt trotz ebenfalls schwächelnder Quoten der Neustart CSI: Cyber mit Patricia Arquette (Medium, Boyhood)

ABC verabschiedete sich letzlich doch von der Rache-Soap Revenge. Nach 88 Folgen ist Schluss für Emily Thorne und ihre Rachegelüste.

Nachdem FOX in den letzten Jahren einen extrem langen Atem mit Mindy Kalings The Mindy Project hatte (von dem ich ein großer Fan bin), musste man in diesem Jahr aufgrund desaströser Quoten die Reißleine ziehen. Ein Funke Hoffnung, dass die Serie von Hulu weiterproduziert wird, bleibt unterdessen.

Schon von längerer Hand geplant waren die Abschiede von Glee und Parenthood, die nach ihrer jeweils sechsten Staffel in den Ruhestand geschickt wurden. Beide Finals liefen quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, zumindest im Fall von Parenthood allerdings umso zufriendenstellender was den Inhalt angeht. Danke Jason Katims!

Ausblick auf die neue Season

War im letzten Jahr ein klarer Trend in Richtung Comic-Adaption zu erkennen, wird es dieses Jahr schon schwieriger. Ein paar neue Medical-Dramas sind dabei, unter anderem nach Chicago P.D. das zweite Spin-Off zu Chicago Fire: Chicago Med. Alles sehr kreativ.

Zudem wärmt NBC sein ehemaliges Aushängeschild (das zum Ende hin einfach nur noch schlecht war) auf. Mit Heroes: Reborn startet die Fortsetzung mit ein paar alten bekannten, aber auch frischen Charakteren, unter anderem ist Zachary Levi (Chuck) mit dabei. Könnte interessant werden, könnte aber auch nach hinten losgehen. Auch wieder aufgewärmt, allerdings nur mit sechs Folgen, wird The X-Files (Akte X).

Neben den typischen, vermutlich platten und bald abgesetzten Comedies, könnte es Grandfathered schaffen, mit Witz, guten Darstellern (Josh Peck und John Stamos) sowie viel Herz die Zuschauer zu erobern. Mir hat der Trailer zumindest gefallen.



Weiterhin plant FOX mit der Serie Lucifer eine Serie , in der ein ziemlich smarter und gutaussehender Teufel des Teufelseins müde ist und stattdessen auf der Erde unterwegs ist. Auch hier ist der Trailer recht vielversprechend.



Eine weitere Shonda-Rhimes-Serie könnte dann zur Midseason interessant werden: The Catch handelt - mal wieder - von einer starken Frau, die im Beruf unschlagbar ist, im Privatleben allerdings etwas Potenzial nach oben hat.


Auch ganz gut meinen Geschmack trifft The Real O'Neals, das leider auch erst zur Midseason startet.



Fazit

Wirklich grpße Überraschungen, was die Absetzungen angeht, gibt es dieses Jahr keine. Oft wurde im Vorfeld schon abgeschätzt, was dem Rotstift zum Opfer fallen könnte. Auffällig ist da eher schon, dass die Networks auch extrem quotenschwache Serien verlängern - weil sie entweder gut ins Programm passen (Agent Carter zum Beispiel als Brücke zwischen den zwei Teilen der Agents of S.H.I.E.L.D.-Staffel) oder zumindest Prestige in Form von guten Kritiken oder Auszeichnungen bringen (Beispiel The Good Wife). Am Ende des Tages steht aber ganz klar fest, dass in Zeiten von Cable-TV, Pay-TV und Streaming Diensten mit ihren Eigenproduktionen im Allgemeinen die Quoten im Network-TV bröckeln. Die großen Quotengaranten (TBBT, Modern Family und der ABC-Donnerstag) werden immer rarer, auch wenn in dieser Season mit Empire und The Odd Couple zwei Ausnahmen die Regel bestätigen. NBC zum Beispiel setzte bis auf einen (The Mysteries of Laura) alle seine Neustarts ab. Verrückt.

Für weitere Infos gibt es ausführliche Analysen und alle abgesetzten, verlängerten und neuen Serien HIER.

In den nächsten Tagen beschäftige ich mich dann noch mit den vergangen Staffeln meiner Lieblings-Network-Serien.

Freitag, 13. März 2015

Welcome to Shondaland!

Wie jetzt? Was soll das denn heißen? Ich sage es euch: Shonda Rhimes, das ist momentan eine der erfolgreichsten Serienschöpferinnen und -produzentinnen. Ihr erster großer Hit war Grey's Anatomy und der befindet sich gerade in seiner 11. Staffel. Mit dem Spin-Off Private Practice brachte sie es im Doppel auf Topquoten und immerhin sechs Staffeln. Und jetzt wirbt ABC, der Sender auf dem alle Shonda-Serien laufen, mit "TGIT" - Thank God It's Thursday! Denn neben Grey's läuft der Polit-Thriller Scandal und neu in dieser Season How to Get Away with Murder (wo Rhimes "nur" Produzentin ist).

Aber auch Frau Rhimes hat mal einen schlechten Tag: Ihre Paradies-Ärzte-Soap Off the Map war leider nur von kurzer Dauer. Doch was genau ist es, was diese Frau richtig macht? Können andere sich eine Scheibe abschneiden oder sollte man lieber seinen eigenen Weg gehen? Ein Blick auf ihre Serien, deren Thematik und die Art und Weise, wie sie es schaffen uns zu begeistern.

Shondas Serien

Grey's Anatomy

Elf Staffeln. So lange läuft die bekannte Krankenhausserie schon. Dabei hat sich viel verändert, Charaktere kamen und gingen, von den ursprünglichen fünf jungen Ärzten sind nur noch Meredith und Alex übrig und doch hat es Shonda Rhimes geschafft, die neuen Charaktere zu etablieren und es so immer noch gute Geschichten zu erzählen.

Meredith hat derweil ihre tiefen persönlichen Missstände bewältigt, sich mit ihrer Mutter postum auseinander gesetzt und inzwischen die zweite Halbschwester kennengelernt. Dass jeder der Ärzte und auch so ziemlich jedes Familienmitglied schon mal selbst auf dem OP-Tisch lag, sei nur eine Randbemerkung. Ansonsten überzeugt Grey's Anatomy nach wie vor (mal mehr, mal weniger) mit interessanten Patienten und starken Gefühlen.

Private Practice

Das Spin-Off zu Grey's Anatomy darf durchaus als etwas zahmere Variante der Mutterserie bezeichnet werden, hatte aber durchaus ihre Momente. Sechs Staffeln lang verfolgten wir Addison (Kate Walsh), wie sie erneut neu anfing und ihr Glück versuchte zu finden. Dabei kam sie ebenfalls mit außergewöhnlichen medizinischen Fällen in Berührung, jedoch oft in vertrauterem Umfeld, da es eben kein anonymes Krankenhaus war, in dem sie arbeitete.

Scandal

Als die Serie startete war weder deren Erfolg noch deren Richtung, die sie einmal einnehmen sollte, abzusehen. Denn während man uns anfangs noch ein Fall-der-Woche-Schema abliefert und nur Stück für Stück Politdrama einstreut, geht es inzwischen nur noch um Olivias Verwicklungen mit diversesten Politikern, Geheimdienstlern und den damit verbundenen Intrigen. Aus der interessanten und spannenden Serie ist ein waschechter Politthriller geworden, der zwar manchmal etwas übertreibt, dabei aber packend ist.

How to Get Away with Murder

Der Senkrechtstarter dieser Season zeigt uns nach Politik und Krankenhaus nun also Anwälte. Oder zumindest junge Menschen, die solche werden wollen. Und die werden dabei ganz schnell in die persönlichen Geschicke ihrer Mentorin verwickelt und damit in einen Tötungsdelikt (um sprachlich thematisch adäquat zu bleiben).

Interessant ist dabei, dass die fünf Studenten zwar ihre Dynamik untereinander haben, diese aber eher im Hintergrund steht und der Fokus mehr auf einzelne Bindungen zu Annaliese, Frank oder Bonnie gelegt wird. So verfügt die Serie zwar über typische Merkmale einer Shonda Rhimes-Serie, jedoch ist auch die Handschrift von Peter Nowalk (deren Schöpfer) und damit die Unterschiede erkennbar.

Shondas Waffen

Starker weiblicher Hauptcharakter

Auffallend bei all diesen Serien ist ihr Hauptcharakter: Weiblich, zielstrebig, stark. Natürlich hat jede Dame ihren Teil zu tragen, keine kommt ohne persönliches Drama. Meredith Grey (Ellen Pompeo) ist am meisten gebeutelt, dark and twisted wie es immer so schön heißt. Doch auch sie weiß, was sie will und setzt sich beruflich durch. Dass sie dabei nicht so kalt und rigeros ist, wie ihre Kolleginnen Annaliese Keating (Viola Davis) oder Olivia Pope (Kerry Washinton; wie passend ihr Name doch ist!) ist sicherlich auch dem Berufzweig geschuldet. Denn während Meredith mit menschlichem Leid umgehen muss und dabei nie knallhart ins Feld zieht, können sich Anwätin Keating und Problemfixerin Pope beruflich keine Blöße geben.

So kommt es schon mal vor, dass Liv in einer Szene einen Klienten in Grund und Boden stampft und ihre Strategie eiskalt durchdrückt und in der nächsten verletzlich sowie eingeschüchtert ihrem Vater ausgeliefert ist. Ambivalenz ist auch für Annaliese Keating kein Fremdwort: Im Gerichtssaal und ihren Schülern gegenüber mimt sie die unterkühlte, stringente Analytikerin, die keine menschliche Zuckung zulässt, um ihre Interessen zu wahren. Doch privat liegt sie auch schon mal zusammengerollt auf dem Bett und ergibt sich ihrer Einsamkeit - und einer großen Portion Wodka.

Dabei schaffen es alle Serien, die Vereinbarkeit dieser scheinbar grundverschiedenen Charakterzüge stets glaubhaft zu vermitteln. Getreu dem Motto: Ich darf unsicher sein, aber nicht wenn es darauf ankommt. Und wenn diese Frauen etwas können, dann ist es unabhängig ihrer persönlichen Gefühlszustände ihren Beruf perfekt auszuüben

Und auch in den Nebenrollen sehen wir starke Frauen, die sowohl privat als auch im Berufsleben keinen Deut schlechter sind als ihre männlichen Kollegen. Cristina Yang (Grey's Anatomy) hat das immer bewiesen und auch Laurel (HTGAWM) zeigt, was sie kann. Selbst die sonst zurückhaltende Abbey handelt hin und wieder auf eigene Faust und beweist, dass mehr in ihr steckt als man zunächst denkt.

Ethnische und sexuelle Diversität

Ein weiteres, auffälliges Merkmal ist eines, das gerade in den USA von größter Bedeutung ist: Die ethnische Diversität, die es zweifelsohne gerade in den amerikanischen Großstädten gibt, wird genaustens abgebildet. Weiße, Afro-Amerikaner, Asiaten - alles Vertreten. Auch wird dabei bestens darauf geachtet, dass hierbei keine allzu großen Klischees Verwendung finden und sich jeder Charakter, abgesehen von typischen Einflüssen von Eltern, eigenständig entwickelt. Auch wird gekonnt auf Diskriminierung hingewiesen, wenn zum Beispiel eine Patientin in Grey's Anatomy nur chinesisch kann, jeder Cristina um sprachliche Hilfe bittet und diese völlig verduzt feststellt, dass sie überhauptkein Chinesisch kann - und zwar weil sie erstens koreanischer Abstammung ist und zweitens in den USA aufwuchs und nicht einmal koreanisch kann.

Neben verschiedenen Vertretungen von unterschiedlichen Ethnien schaffen es die Shonda-Serien auch eine überdurchschnittliche Anzahl von homosexuellen Charakteren zu beinhalten. Neben der bisexuellen Callie und ihrer Langzeitpartnerin Arizona gab es in Grey's Anatomy auch in Einzelfolgen Aufeinandertreffen mit dererlei Personen. Scandal bietet uns wie selbstverständlich einen schwulen Chief of Staff des US-Präsidenten samt Partner mit Familienwunsch. Dabei schreckt man auch nicht davor zurück, ihn an menschliche Abgründe zu schicken (Gays of Our Shows) und ihn so durchaus unsympathisch darzustellen. Und auch HTGAWM scheut sich nicht, den schwulen Hauptcharakter Connor hin und wieder etwas berechnend zu zeigen, ohne dabei seine "weiche" Seite in Form seiner Romanze zum IT-Nerd Oliver zu vernachlässigen.

Moralische Fragen und menschliche Abgründe

Am interessantesten scheinen jedoch die immer wiederkehrenden Entscheidungssituationen zu sein, in die viele der Charaktere oftmals kommen. Sei es etwas rechtlich unerlaubtes zu tun, um einem Patienten zu helfen, sei es die Intrige um Schaden von wichtigen Personen abzuwenden oder ihnen beim Erreichen von Zielen zu helfen oder sei es sogar Mord und Totschlag oder dessen Geheimhaltung - die Möglichkeiten sind je nach Thematik der Serie höchst unterschiedlich. Und dabei macht es sich keine der Serien einfach, denn trotz der Tatsache, dass die Charaktere etwas Verbotenes tun, sollen sie ja trotzdem unsere Helden bleiben, wir müssen also auf irgendeiner Ebene die Beweggründe kennen und verstehen, um deren Handeln rechtfertigen zu können.

Die Liebe - der Reiz des Verbotenen

Von jeher prägen unmögliche Liebesbeziehungen all diese Serien. Getreu dem Motto "Wir machen jetzt genau das, was eigentlich verboten ist." schafft es Meredith Grey von Anfang an sich in einer Beziehung zu ihrem Vorgesetzten Derek "McDreamy" Shepard (Patrick Dempsey) wiederzufinden, ihre beste Freundin Cristina tut es ihr gleich und schnappt sich Dr. Burke und Izzy verliebt sich später in einen Patienten.

Dass Olivia Pope eine (ach Quatsch, mehrere aufeinanderfolgende, nie enden wollende) Affären mit dem verheirateten US-Präsidenten hat und sich bei HTGAWM die beiden Angestellten von Annaliese auch bald mit einem der Schüler im Bett wiederfinden war da nur eigentlich Abzusehen. Es wäre ja auch langweilig, wenn sich zwei Menschen lieben dürfen.

Fazit

Was ist es nun, das diese Serien so erfolgreich macht? Eine Mischung aus interessanten Charakteren, die durchaus ihre Fehler haben und es doch immer wieder schaffen, unsere Sympathien zu behalten gepaart mit dieser gewissen Portion Drama, die auch gerne mal over the top ist, und spannenenden Geschichten zum mitfiebern. Quasi alles, was man braucht um sich 42 Minuten lang einer kleinen emotionalen Achterbahnfahrt auszusetzen. Und zwar ohne dabei seinen "White Hat" zu verlieren.

Dienstag, 10. Februar 2015

The Last One: Sehenwerte Serienfinals

(Enthält selbstredend massive Spoiler zu alle genannten Serien.)

Nachdem es zuletzt um verfrühte Enden und die damit meist verbundene Unzufriedenheit der Zuseher mit jenen ging, soll es heute um geplante Abschlüsse gehen. Dass es auch dabei nicht zwangsläufig zu puren Begeisterungsstürmen kommt, sei ebenfalls angemerkt. So gerieten die Finals von Dexter und LOST zu wahrgewordenen Albträumen von Serienfans. Und auch True Blood versank nicht gerade in Lob, als es letztes Jahr zu Ende ging. Über How I Met Your Mother möchte ich erst gar nicht reden...

Doch nun zu deutlich besseren Enden, manche Kult, manche gerade erst über den Bildschirm geflimmert.

Forever Charmed (Charmed)

Acht Staffeln gibt es von Chamed, der Serie über drei Hexenschwestern. Und besagtes Finale ist genaugenommen Anlauf Nummer zwei. Denn beim Finale der siebten Staffel sah alles nach einer baldigen Absetzung aus und so entschieden sich die Autoren für die sichere Lösung. Die drei Schwestern besiegten ihren Erzfeind und ließen alles danach aussehen, dass es sie selbst dabei erwischt hätte. Durch einen Zauber schienen sie nach Außen andere Menschen zu sein und konnten von nun an ein unbehelligtes Leben führen.

Doch dann kam es unvorhergesehen zu einer achten Staffel und es musste ein neues Ende her. Mag man sich über die Staffel trefflich streiten können, so ist eines klar: Die Doppelfolge zum Schluss stellte den ersten Finalversuch deutlich in den Schatten: Nachdem sowohl Billys Schwester als auch Paige und Phoebe im Ultimate Battle starben, bringt der Schicksalengel Leo zu Piper zurück. Zusammen mit ihm macht sich die am Boden zerstörte Piper auf, einen Weg zu finden, ihre Schwestern zu retten. Durch Cupids Ring gelingt es ihr dabei, in der Vergangenheit ihre Großmutter und Mutter (aus verschiedenen Vergangenheiten wohlgemerkt) aufzutreiben, um die Macht der Drei zu rekreieren und so Phoebe und Paige zu retten. Als alle in der Gegenwart angekommen sind um ans Werk zu gehen, platzen Pipers Söhne Wyatt und Chris magisch aus der Zukunft in die Szene. Familienzusammenführung etwas anderer Art nennt man das. Natürlich rettet Piper ihre Schwestern und sie erledigen nebenbei eine ganze Generation an Dämonen, sodass sie für die nächsten Jahre Ruhe haben.

In einer Überblende ergänzen sie das allwissende Buch der Schatten, das in jeder Folge Dreh- und Angelpunkt war, um ihre eigene Geschichte und so wird dem Zuschauer einiges aus den zukünftigen Leben der Halliwell-Schwestern gezeigt, inklusive Liebesglück für alle drei.



The Last One (Friends)

Sagenhafte zehn Staffeln lief Friends, prägte eine ganze Generation und gilt bis heute als Kult. Und so verwunderte es auch niemanden, als 2004 ganze 52 Millionen Zuschauer das Ende der Serie einschalteten. Die Abschlussstaffel bescherte den sechs Hauptdarstellern einen Rekord-Gage von 1 Millionen $ pro Folge und so schien es beinahe unmöglich, alle Erwartungen zu erfüllen. Und doch gelang den Machern um David Crane und Marta Kauffman quasi ein perfektes Finale abzuliefern.

Während Monica und Chandler schon lange ihr Liebesglück fanden und nun versuchten, eine Familie zu gründen und Phoebe just in der Abschlusstaffel ihren Mike heiratete, konzentirerte sich das Finale auf die Never-Ending-Lovestory um Rachel und Ross. Kaum zu glauben, aber die Rachel, die Anfang der Serie noch reich heiraten wollte und dann zunächst eine schlechte Kellnerin im Central Perk wurde, bekam einen Job in Paris angeboten und war drauf und dran, New York per Flugzeug zu verlassen. Getrieben von Phoebe versucht Ross nun, Rachel am Flughafen anzufangen und ihr seine Liebe zu gestehen. Als die beiden jedoch bemerken, dass sie am falschen Airport sind, scheint alles verloren. Zm Schluss ist es Rachel, die nach ein paar lustigen Turbulenzen rund um "the left Phalange" des Flugzeuges, doch den Flieger verließ und nun bei Ross zum Happy End bereitsteht.

Auch Monica und Chandler bekommen in Form von Zwillingen ein Happy End und nun steht der extrem kitschige Klischee-Moment des Licht-ausschaltens auf dem Programm - jedoch so emotional und perfekt umgesetzt, dass er keine Kritik zulässt. Das Appartment mit der lilafarbenen Wand und der grünen Tür, dass zehr Jahre lang Hauptschauplatz der Serie war und in dem quasi jeder (zumindest zeitweise) der sechs Freunde lebte, wird nun verlassen. Genau wie der Zuschauer die sechs Charaktere verlässt, die ihn in den letzten Jahren zum lauten Lachen und Weinen brachten.

Chuck Versus the Goodbye (Chuck)

Durchaus als Glück könnte man die Geschichte von Chuck betrachten. Und zwar vom Serienstart bis zum Finale. In der Streikseason gestartet, stand die Serie quasi jedes Jahr auf der Kippe. Doch mangels Alternativen und einer starken Fanbase (ich sage mal Subway-Aktion) kam es immer wieder zu einer Bestellung einer neuen Staffel. Trotz allen Glücks war die fünfte Staffel im Jahr 2012 dann die letzte. Doch zumindest war das von Anfang an klar und so konnten die Autoren von langer Hand ein rundes Ende planen.

Die letzte Staffel versetzt unsere Helden in ihr eigenes Sicherheitsunternehmen. Zum Ende hin spitzt sich die Lage extrem zu und Sarah wird gekidnapped. Da sie das Intersect zu dieser Zeit im Kopf trägt und nicht als Trägerperson geeignet ist, bietet sie eine gute Zielscheibe für ihren Peiniger. Dieser macht sich einige Erkenntnisse um die Beschleunigung der negativen Auswirkungen des Intersects in ungeeigneten Personen (siehe zuvor Morgans Verwandlung) zu Nutze und erwirkt so, dass Sarah ihre kompletten Erinnerungen der letzten Jahre mit Chuck und Casey verliert und fortan gegen jene kämpft.

Chuck gelingt es zwar, Sarah wieder auf ihre Seite zu ziehen, doch die Erinnerungen und damit ihre Liebe samt kürzlicher Hochzeit scheinen für immer verloren. Chucks Schwester Ellie und ihr Mann Devon (Captain Awesome) machen sich derweil mit ihrem Neugeboreren auf den Weg in ein neues Leben. Und während Morgan sein Glück mit Caseys Tochter Alex gefunden hat, kommt Chuck durch Morgan auf die Idee, Sarah an einem Ort mit immens großer Bedeutung zu suchen. Als sich Sarah intuitiv dort befindet, weil sie spürt, dass der Ort wichtig ist, fragt sie Chuck nach ihrer Geschichte. Eine Flut an Erinnerungen endet in Morgans Idee, dass ein Kuss alles ändern könne. Während Chuck scheinbar nicht daran glaubt, fällt Sarah ihm ins Wort: "Kiss me!" Zögerlich küsst Chuck Sarah, bis der Kuss inniger wird. Ende.

Ein wirklich offenes Ende, das mich trotzdem überzeugt hat, weil es sich traut kein Happy End vorauszusetzen und den Zuschauer trotzdem mit der Hoffnung zurücklässt, dass es nicht vorbei ist für Chuck und Sarah. Ob sich Sarah nun erinnert oder sich vielleicht erneut in Chuck verliebt, bleibt dabei unwichtig.

Everyone's Waiting (Six Feet Under)

Dieses Finale ist wohl das, mit dem sich (zumindest bei mir) jedes Finale messen muss. Die intensive HBO-Serie rund um eine Familie, die ein Bestattungsinstitut betreibt, hatte oft mitreißende, schockierende oder witzige Momente. Und spätestens als in der vorletzten Folge der älteste der Geschwister Nate stirbt und sein Name und seine Lebenszeit so typisch für die Serie eingeblendet wird, wird einem langsam klar, dass das hier alles gut durchdacht ist.

Wie in so vielen Serien kamen die Charaktere problembeladen und verkorkst in das Leben der Zuschauer. Und trotz aller überstandenen Konflikte und bewältigten Probleme, lassen uns die Macher mit dem Gefühl zurück, dass sie trotzdem alle noch genug mit sich rumtragen: Mutter Ruth ist einem psychisch kranken Mann verheiratet, alle Müssen mit Nates Tod zurechtkommen und Claire bricht zwar in ein neues Leben auf, doch auch sie nimmt noch genug Drama mit.

Und so beginnt das Ende mit Claries Versuch ein letztes Erinnerungsphoto ihrer Familie zu schießen, bevor sie losfährt: Von ihrer Mutter und deren neuem Mann, von ihrem Bruder David, endlich mit seinem Partner Keith vereint, und deren Adoptivkindern. Ihr verstorbener Bruder begleitet Claire dabei, sagt ihr den wunderschönen Satz "You can't take a picture of this moment, 'cause it's already gone." Und nachdem auch Nate nicht mehr in ihrem Innenspiegel erscheint, beginnt Claires Reise. Und so wie sie in ihr neues Leben fährt, erleben wir als Zuschauer wichtige Punkte in aller Leben, die noch vor ihnen liegen. Und zwar bis hin zu ihrem Tod. Jeder bekommt eine Szene, in der er oder sie stirbt, jeder bekommt den Bildschirm mit seinem Namen und der Lebeszeit. Bis schließlich auch Claire im Kreise ihrer Familie die trüben Augen für immer schließt. Und das alles traumhaft schön unterlegt von Sia mit "Breathe Me". Gänsehaut pur:



May God Bless and Keep You Always (Parenthood)

Ähnlich durchgemogelt wie Chuck hat sich auch Parenthood auf NBC und brachte es so auf sechs Staffeln. Erst kürzlich endete die Serie mit einem schönen, bewegenden Finale. Abschließend und offen zugleich, genau wie es sich für eine Familienserie gehört. Nicht weniger war von Jason Katims zu erwarten, schließlich hat er Erfahrung auf dem Gebiet. Seine vorhergehende, ebenso hervorragende Serie Friday Night Lights ließ sich dahingehend auch nicht lumpen.

Nach unzähligen Dramen in der Familie Braverman versammlen sich alle für Sarahs Hochzeit mit Hank. Emotional in mehrerlei Hinsicht, denn auch Sarahs Tochter Amber begrüßt ein neues Familienmitglied: Ihren Sohn, den sie nach ihrem Opa Zeek benennt. Julia und Sam bekommen das Angebot, Victors gerade geborene Halbschwester zu adoptieren und Crosby eröffnet Amber, dass er mit ihr ohne Adam das Luncheonette weiterführen will. Und Adam wird von seiner Frau Kristina zum Schulleiter der selbst gegründeten Schule ernannt, nachdem sie ein anderweitiges Angebot bekommen hat. Und Max, der mit seiner Asperger-Erkrankung stets eines der Zentren der Serie war, tanzt zum ersten Mal mit einem Mädchen, sodass seine Eltern Adam und Kristina voller Hoffnungen für sein zukünftiges Leben sind.

Kurz darauf erleben wir Camille, wie sie ihren Ehemann Zeek, der in der gesamten Staffel mit Herzproblemen zu kämpfen hatte, tot im Sessel findet. Doch so traurig dieser Moment ist, so überschattet er keineswegs die positive Grundstimmung des Finales. Laut Zeeks Wunsch verstreut seine Familie seine Asche auf einem Baseballfeld und spielt dann gemeinsam ein Partie. Dabei werden Szenen aus der Zunkunft der Charaktere gezeigt und die Familie verlässt nach dem Spiel das Feld - und unseren Bildschirm.



Bon Voyage (Gilmore Girls)

Schnelle Dialoge, eine verschrobene (fiktive) Kleinstadt namens Stars Hollow und allerhand Liebesdrama der Mutter-Tochter-Konstellation aus Lorelei und Rory. Sieben Staffeln erreichte diese Serie und ist noch heute ganz weit vorn bei den Lieblingsserien ihrer Fans. Zunächsteinmal muss gesagt werden, dass dieses Finale zunächst nur als Staffelfinale gedacht war, da nocht nicht feststand, ob das neu firmierte Network The CW die Serie für eine achte Staffel verlängern würde. Da es dazu eben nicht kam, fungiert der Staffelsbschluss auch als Serienabschluss und macht unter diesem Aspekt einen guten Job. Auch wenn die Dauerfrage, ob nun Dean, Jess oder Logan der Richtige für Rory ist, nie geklärt wurde.

Die Serie endet mit Rorys College-Abschluss. Rund um das Ausräumen ihres (und Paris') Appartment, lehnt Rory den Heiratsantrag ihres Dauerfreundes Logan ab, der daraufhin Rory höchst theatralisch erklärt, dass sie entweder diesen nächsten Schritt zusammen gehen oder sich trennen, denn auf der Stelle treten wolle er nicht. Rory lässt sich nicht bedrängen und verlässt Logan. Ihre Heimatstadt plant derweil eine Fete zu Ehren Rorys, gleichermaßen für deren College-Abschluss als auch zur Verabschiedung. Denn unsere hochintelligente Rory hat eine Stelle ergattert, bei der sie Barak Obama auf dessen Wahlkampftour journalistisch begleitet.

Mutter Lorelei verständigt sich derweil mit ihrer eigenen Mutter Emily, die früher so verhassen (weil aufgezwungen) Freitagsdinner fortzuführen. Und auch ihre Dauer-On-Off-Beziehung mit Luke bekommt neuen Spin, als die beiden sich unvermittelt küssen. Und auch hier verlassen wir die Serie mit einem Licht-aus-Tür-zu-Moment, der auch hier nicht klischeehaft oder kitschig wirkt, sondern einfach nur passend.

The Finale (Will & Grace)

Mutig. So würde ich das Ende von Will & Grace nennen. Denn statt ein versöhnliches Finale zu zeigen, in dem sich alle in den Armen liegen, spinnen die Autoren das weiter, was sich schon in den Folgen zuvor andeutete: Die Entfremdung der einst besten Freunde. Denn mit dem Auftauchen von Vince ändern sich für Will die Prioritäten. Grace ist zudem schwanger und der (unwissende) Vater des Kindes Leo bekommt ein Jobangebot in Rom. Grace entscheidet sich, nicht mitzugehen und gemeinsam mit Will das Kind großzuziehen. Doch Leo kommt zurück, erfährt von dem Kind und versöhnt sich mit Grace - sehr zu Wills Missfallen.

Zwei Jahre gehen ins Land, es ist Wills Geburtstag. Jack und Karen überlegen sich einen Trick um die beiden wieder zusammen zu bringen. Doch was scheinbar funktioniert hat, entpuppt sich als Trugschluss. Jack muss derweil ein nötiges Übel in Kauf nehmen, um sich bei Karen für ihre jahrelange Unterstützung zu revanchieren, nachdem diese ihr Vermögen verliert. Doch Jacks Problem wird bald vom Winde verweht.

Vor einer Tür in einem College-Wohnheim treffen sich eine junge, rothaarige Frau und ein schwarzhaariger Mann. Was zunächst nach einer Rückblende zu Will & Graces Kennenlernen aussieht, entpuppt sich als Schicksal: Es sind ihre Kinder Lila und Ben, die sich spontan zum Kaffee verabreden. Danach kommt es erneut zu einem Zusammentreffen von Will und Grace. Später sehen wir, wie die beiden sich über die Hochzeit ihrer Kinder unterhalten und beschließen, sich auf einen Drink zu treffen - und zwar auch mit Jack und der ungealterten Karen. Die vier Freunde trinken auf die Familie und wir sagen auf Wiedersehen.

Und wenn sie nicht gestorben sind...

Es muss nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein. Auch die Finals von Will & Grace sowie Chuck sind gute Finals. Solange das Ende der Serie ihren vorherigen Geschichten gerecht wird und den Erwartungen der Fans einigermaßen Stand hält, so darf man von Erfolg sprechen. Dass nicht jede Serie ein Kult-Finale vom Schlage Friends oder Six Feet Under abliefert sei auch als gegeben zu sehen. Und so zeigt sich umso mehr, wie sehr das Finale einer Serie retrospektiv wirken kann: Als Ansporn für einen späteren Rerun oder eben auch als Spielverderber auf alle Zeit. Und so schwingt (gerade bei älteren Serien) immer mehr die Frage mit: Wie wird sie enden, meine Lieblingsserie? Werden es Grey's Anatomy und The Good Wife oder auch Modern Family und The Big Bang Theory schaffen, ihre Fans bei ihrem letzten Ausflug auf die Mattscheibe zufrieden zurück zu lassen? Ich will es doch hoffen!

Sonntag, 25. Januar 2015

Please Don't Leave Me - Serien, die zu früh abgesetzt wurden

Über die Laufzeit einer Serie gibt es verschiedene Auffassungen. Die einen möchten, dass ihre Lieblingsserie quasi ewig weiterläuft, andere sagen, dass jede Serie ihre Zeit hat und früher oder später zu einem Ende kommen sollte. Das gilt für Drama- genauso wie für Comedyserien. Sicher, die Procedurals dieser Erde haben eine längere Halbwertszeit, aber auch da ist irgendwann die Luft raus. In die Länge ziehen funktioniert nicht immer, One Tree Hill und How I Met Your Mother (beide 9 Staffeln lang, How I Met Your Mother - Ein Nachruf.) zeigen das. Hin und wieder finden sich aber auch Beispiele, wo das funktioniert: Grey's Anatomy (momentan 11. Staffel) oder auch Supernatural (10. Staffel aktuell).

Und dann gibt es diese Serien, die nach viel zu kurzer Zeit abgesetzt werden. Durch wiedrige Umstände oder einfach nur schlechte Quoten und meistens mit einem schlechten, weil offenen Ende. Oder noch schlimmer: Einem Cliffhanger. Denn oftmals wird die Entscheidung, eine Serie zu verlängern oder abzusetzen, erst zu den Upfronts im Mai getroffen, also zu einer Zeit, in der die Staffelfinals schon abgedreht oder sogar schon gesendet wurden.

Ich habe ein paar Beispiele aufgetrieben, die mich besonders betroffen haben. Zumindest eine Story hat ihr Happy End bekommen (und es ist nicht Happy Endings...).

Pushing Daisies (2 Staffeln, 22 Episoden)

Bunt und unkonventionell kam die Story um Kuchenbäcker Ned (Lee Pace, Guardians of the Galaxy, The Hobbit) mit der besonderen Gabe des Wiederbelebens daher. Alles beginnt, als er die Leiche seiner Jugendliebe Chuck (Anna Friel) findet und diese durch eine Berührung wiederbelebt. Die ganze Sache hat genau zwei Haken: Berührt Ned die gerade wieder zum Leben erweckte Person nicht innerhalb einer Minute ein zweites Mal, was dann wiederum das sofortige und dauerhafte Ableben jener zur Folge hat, so stirbt jemand anderes. Und der zweite Haken ergibt sich daraus: Denn, auch wenn bereits jemand den Platzhaltertod höchst unfreiwillig auf sich genommen hat, so darf Ned die wiederbelebte Person trotzdem niemals berühren. Das macht die wiederaufkeimende Romanze zur wiederbelebten Chuck nicht leichter.

Damit es nicht langweilig wird, begleiten wir Ned und seinen Privatdetektiv-Kumpanen Emerson Cod (Chi McBride) auf der Suche nach Mördern - leichtes Spiel, wenn man das Opfer selbst nach seinem Peiniger fragen kann, möchte man meinen. Doch die Fälle sind oft vertrackter als gedacht, immer kurzweilig, manchmal sogar gefährlich.

Zugegeben, die Ausgangssituation limitiert die Serie auf Dauer schon. So ist es anfangs noch niedlich, wenn Chuck und Ned neue Wege finden, sich nahe zu kommen, ohne sich zu berühren, mit der Zeit wird es jedoch anstrengend, da die Beziehung der beiden stagniert. Trotzdem hätte ich gern mehr als nur 22 Folgen dieser grandiosen Serie gesehen. Doch der Streik der amerikanischen Autorengewerkschaft machte die erste Staffel nach neun Folgen mundtot, die Wiederbelebung für Staffel 2 dauerte zwar länger als eine Minute, mehr als 13 Episoden wurden es aber leider auch nicht. Dann berührte ABC die Serie ein zweites Mal und sie war für immer tot, mit einem ziemlich zurechtgeschusterten, halboffenen Ende.



Happy Endings (3 Staffeln, 57 Episoden)

Zugegeben, die Prämisse der Serie klingt wie ein Abklatsch aller bisherigen Freunde-Comedies. Ein Ehepaar, ein Geschwisterpaar, ein "Nichtsnutz" und eine geplatze Hochzeit als Einstieg. Willkommen bei How We Met Our Friends.

Doch was dann geschieht, ist für mich heute noch unbegreiflich: Die Serie macht aus den alten Rollenbildern, wiederaufgewärmten Klischees und unsäglichen Verstrickungen einfach das meiner Meinung nach witzigste, was ich seit Langem gesehen habe. Pop-kulturelle Anspielungen, schnelle Wortwechsel, Wortspiele und Klamauk vermischen sich zu einem grandiosen Sketchfeuerwerk. (Ich kann das sagen, ich lache auch beim 8. Durchlauf immer wieder laut los!) Im Cast einen Liebling auszumachen ist schwer, jeder Darsteller überzeugt voll und ganz. Timing und Können sind grandios.

Das sahen zwar auch die Verantwortlichen beim Sender ABC so (sonst wäre wohl schon nach der ersten Staffel Schluss gewesen), aber leider die amerikanischen Zuschauer nicht. Und so wurde die Serie unter einer Kampagne #SaveHappyEndings zwar noch versucht an einen anderen Sender weiterzuverkaufen, letztlich jedoch trotzdem beerdigt. Das einzig Positive: Zumindest darf das Ende als einigermaßen "rund" bezeichnet werden, der Kreis zum Beginn der Serie ist irgendwie geschlossen. Doch so recht verwinden kann ich (und neben mir noch viele andere) das Aus der Serie bis heute nicht.



Veronica Mars (3 Staffeln, 64 Episoden)

Als diese Serie 2004 beim kleinen Network UPN startete, wusste noch keiner, dass sie einmal zur Ikone wird. Zum einen zur Ikone einer Generation von Tennie-Serien, die versuchen anders zu sein als bisher, zum anderen zu einer Ikone des modernen Crowd-Fundings. Doch dazu gleich mehr.

Rob Thomas zeichnet uns in seiner Serie, recht untypisch für ihr Genre, eine dunkle Welt. ("Teen-Noir" heißt das dann im Serien-Jargon) Eine mit reichen, verwöhnten 09ern (an deren Postleitzahl orientiert) und all den anderen, "niederen" Menschen im Rest der fiktiven Stadt Neptune. Veronica (Kristin Bell) hat eine bewegte Vergangenheit, war trotz ihrer Herkunft aus dem "Rest" Teil der Clique der 09ers. Bis ihre beste Freundin (Amanda Seyfried) ermordet wird und Veronicas Vater (Enrico Colantoni), zu dieser Zeit Sheriff der Stadt, gegen deren Vater ermittelt. Veronica wird verstoßen, zur Außenseiterin. Als wir in ihr Leben kommen, baut sie sich gerade ein neues Leben an der Highschool auf, wird noch immer von allen verhöhnt - und hat begonnen, selbst den noch immer ungeklärten Tod ihrer besten Freundin aufzuklären. Ihr Vater ist inzwischen Privatdetektiv, von ihm lernt sie auch die besten Tricks. Die Serie lebt von einer kessen Veronica, die schlau ist und zielstrebig, trotzdem manchmal falsche Entscheidungen trifft und unsicher ist.

Überhaupt sind die Charaktere zumeist recht vielschichtig, auch die Fälle, die Veronica für ihre Mitschüler löst, entpuppen sich oft als mehr als sie zunächst scheinen. Und so ist es die unglaublich gute erste Staffel, die extrem hohe Erwartungen setzt. Die zweite Staffel hält da qualitativ noch mit, wenn die Quoten auch fallen. Um dem entgegen zu wirken, wird in der dritten Staffel (die nun am College spielt) kein staffelübergreifender Fall behandelt, sondern kleinere Stücke abgearbeitet. Ein Schachzug, der immer logisch klingt, jedoch nur selten den gewünschten Effekt hat. Und so geht Voronica am Ende des dritten Staffelfinals The Bitch Is Back durch den Regen, dem offenen Ende der Serie entgegen.



Über Jahre hinweg sind Fans verärgert, fordern irgendeine Art Aufklärung. Verhandlungen für einen Film scheitern, zu gering scheinen die Erfolgsaussichten. Im Jahr 2013 fassen sich Schöpfer Rob Thomas und seine Darsteller ein Herz und starten ein Crowdfunding-Projekt. Sie wollen in einem Monat 2 Million Dollar sammeln. Die sind innerhalb von 10 Stunden beisammen, am Ende werden es  knapp 6 Millionen. Und das Projekt wird das mit den meisten Unterstützern seit Gründung von Kickstarter. Der Film startete 2014 in den Kinos und die Fans sind hoch zufrieden. Happy Ending.

Smash (2 Staffeln, 32 Episoden)

Nachdem Glee unglaublich erfolgreich startete, prüften alle Sender eigene Musical-Projekte. NBC nahm es wortwörtlich und ließ die Serie Smash vom Stapel. Diese dreht sich um die Inszenierung eines Musicals über Marilyn Monroe - und zwar von der Idee bis (zumindest theoretisch, denn dazu kam es ja nie) zum fertigen Produkt. Mit allen Wiedrigkeiten wie Besetzung, Musikauswahl und Liebesquerelen ausgestattet, erbot sich ein recht stimmiges Bild einer - zugegebenermaßen - leicht soapigen Serie, die aber vor allem auch durch die Musik überzeugen konnte.



Auch der Cast konnte überzeugen. So mimte Jack Davenport (Fluch der Karibik) den Regisseur Derek, der eine harte Schale hatte und meist ziemlich ungenießbar war, auf den man aber auch zählen konnte, wenn es darauf ankam. Sehr zu meiner Freude war auch Will & Grace-Alumna Debra Messing mit von der Partie, die Julia spielte, die neben der Story fürs Musical auch einen Großteil des privaten Dramas beisteuerte.

Und ja, es ging auch einiges daneben. Das Liebeshin und -her war recht anstrengend und die immer neuen Steine, die dem Musical in den Weg geworfen wurden, waren nicht immer ein Grund weiterzuschauen. Für mich war die Serie jedoch immer eine Quelle guter Laune, denn die Musicalnummern wurden jederzeit top umgesetzt. Zum Schluss blieb NBC aufgrund desaströser Quoten nichts anderes übrig als den Stecker zu ziehen. Zumindest ließ man dies die Macher recht zeitnah wissen und so konnte ein vertretbares Ende stattfinden. Und das wurde, Sendeplatz hin oder her, auch ausgestrahlt und versauert nicht in irgendeinem Archiv.

United States of Tara (3 Staffeln, 36 Episoden)

Als einzige Nicht-Networkserie schafft es United States of Tara in diese Riege. Denn normalerweise entscheiden sich die Pay-TV Sender schon recht früh bei der Sichtung neuen Materials ganz am Anfang des Produktionszyklus, ob die Serie weiterhin auf Sendung bleibt. Denn viel wichtiger als Einschaltquoten sind für HBO und Co. der sogenannte BUZZ, den eine Serie kreiert und damit die Scheinwerfer auf den austrahlenden Sender wirft und damit eventuell neue Abonnementen generiert.

Und genau das scheint die Serie um Familie Gregson nicht geschafft zu haben. Toni Collette (About a Boy) spielt darin die Titelrolle Tara, die an multiplen Persönlichkeiten leidet. Sie hat einen Mann (John Corbett, Sex and the City) und zwei Kinder. Diese kommen soweit ganz gut mit der Situation klar, kennen die Alter-Egos ihrer Mutter inzwischen und können mit ihnen umgehen. Auch wenn das aufgrund der Bandbreite natürlich nicht immer einfach ist. Denn neben Tara gibt es da noch T, das 16jährige Girlie, Alice, eine Hausfrau aus den 50ern und Buck, einen sexistischer Bauarbeiter-Typ.

Mit Verlauf der Serie versucht die Serie Taras Störung zu ergründen. Allerdings ergeben sich bald neue Persönlichkeiten, darunter ironischerweise die Therapeuting Shoshanna. Nach dem Ende der dritten Staffel, ohne dass auch nur ansatzweise geklärt wurde, wie es mit Tara und den anderen Familienmitgliedern, respektive Alter-Egos, weitergeht, wird die Serie für beendet erklärt. Schade, denn auch wenn die Qualität der Serie durchaus nachlies, so hätte man durchaus eine abschließende, eventuell verkürzte Staffel in Auftrag geben können. So wurde es mit The Big C schließlich auch gehandhabt und ist für einen Pay-TV-Kanal eigentlich kein Problem.

Was will uns der Autor damit sagen?

Das ist eine gute Frage. Zum Einen sollte man seine Lieblingsserie genießen. Das Ende kommt leider schneller als man denkt, egal wie gut oder schlecht sie ist. Zum Anderen ist natürlich auffällig, dass viele (Viele? Fast alle!) dieser Beispiele aus dem werbefinanzierten Network-TV stammen. Dort ist es selten möglich, vor den Werbepartnern zu rechtfertigen, dass man aus kreativer Sicht eigentlich noch eine Staffel machen müsse. Gegenbeispiele gibt es trotzdem: Der Spionagedramedy Chuck wurde eine Abschlussstaffel gewährt, ebenso der Sci-Fi-Mystery-Serie Fringe. 30 Rock durfte sich verkürzt verabschieden und das eingangs erwähnte One Tree Hill erhielt auch eine 13teilige Abschlussstaffel. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, sich hin und wieder etwas eher zu entscheiden, welche Serie eventuell die nächste Season nicht mehr erlebt und dies den Verantwortlichen mitzuteilen, sodass diese zumindest für ein paar bessere Staffelfinals sorgen könnten - schließlich könnte es das Serienfinale sein.